Netzgesang-Analyse für starke Nerven: Bibis Song „How it is“

*seufz* Was tut man nicht alles, um seinen Blog mit Inhalten füllen zu können? An die Grenzen des Ertragbaren stieß ich zweifellos, als ich meine Hausaufgaben zum heutigen Beitrag erledigte. *trommelwirbel* Ich lauschte Bibis Song auf YouTube. YAY! -.-

Natürlich komme ich nicht umhin, dieses Machwerk der deutschen Musik- und Kosmetikindustrie einer ausgiebigen Analyse zu unterziehen. Doch wie beginnt man einen Artikel, der sich an schier ahnungslose Menschen richtet? An Menschen, welche aufgrund ihrer unbeeinträchtigten Vernunft (ich kenne ja meine Leser!) niemals von irgendeiner Wesenheit namens Bibi gehört haben? Ganz einfach: Mit einer kleinen, vollends objektiv formulierten Vita.

Bianca „Bibi“ Heinicke (auch kurz als BH bezeichnet) wurde am 6. Februar 1993 in Köln geboren. Frühe Verhaltensauffälligkeiten versetzten ihre Eltern durchaus in Erstaunen. Als andere Kinder ihr erstes Wort verkündeten (meist „Mama“ oder „Babba“), lackierte die kleine Bibi sich ihre Fußnägel. Auf dem Weg zur Schule trug sie keinen Schulranzen auf dem Rücken, wie es ihre Altersgenossinnen taten, da sie eine Handtasche über der Schulter bevorzugte. Häufig verschwand sie während des Unterrichts auf die Toilette, um dort ihr Spiegelbild zu kontaktieren, ihr „bäschter Fräund auf der gansen Wäld“, wie sie es damals nannte, und in dessen Gesellschaft ihre Lidschatten nachzog. Im Alter von sieben Jahren stellte ein Augenarzt ein merkwürdiges Dollarzeichen in ihrer Pupille fest, schenkte diesem allerdings keine größere Beachtung. Vermutlich würde sie eines Tages, wie nahezu jede andere kluge Dame, einen reichen Mann ehelichen, wodurch sich die Augen schon wieder beruhigen würden – so die Annahme des unbedarften Mediziners.
In ihrer Jugend entwickelte sie allmählich ein gar teuflisches Temperament und „disste“ sämtliche Mädchen an ihrer Schule, die zu selten vor dem Schminktisch „chillten“ und eine natürliche Schönheit besaßen, von welcher sie selbst nur zu träumen vermochte. Unter 300 Tonnen Gesichtsbelag fühlte sich Bibi aber echt heiß, was oft darin begründet lag, dass ihr die Sonne im Sommer das Gehirn zerbruzzelte. Dieses schien irgendwann dermaßen aufgeweicht zu sein, dass sie bloß noch mit Gleichgesinnten kommunizieren konnte, wie mit Dagmar, der Biene, heute bekannt als Dagi Bee. Später begann sie ein Studium der Schönheitswissenschaften. Dieses langweilte sie jedoch bald, da lediglich die Dozenten reden durften, worunter ihre mitteilungsbedürftige Natur leiden musste.
Daher schlief sie… äh, arbeite sie sich ins YouTube-Showgeschäft hinein und erlangte mit Bibis Beauty Palace (ihr ursprünglicher Namensvorschlag, „Bibis Hurensalon“, wurde leider abgelehnt) rasch nationale Popularität. Seitdem gilt sie als Fürsprecherin einer neuen Generation von Mädchen, welche stets mit Minderwertigkeitskomplexen zu kämpfen hat. So unternimmt Bibi alles Erdenkliche, um dieses Konkurrenz- und Unterlegenheitsgefühl zu stärken und ihre Zuschauerinnen zugleich zum Kauf neuester Markenartikel zu verführen. Nachdem sie von vermögenden Männern generell verschmäht wurde, verhalf ihr YouTube somit in wenigen Jahren zum gewünschten Reichtum – frei nach dem Motto: Wer braucht schon Typen, solange man unschuldige Teenager verarschen und brechen kann?

Ich denke, das dürfte genügen, um euch einen Ersteindruck zu vermitteln. Doch zurück zum eigentlichen Thema: Bibis Song. *seufz* (Sucht bitte bei YouTube danach,wenn ihr mutig seid. Diesem Blog liegt es fern, direkte Klickzahlen auf Bibis Channel zu generieren.)

Auf Bibis Channel hat sich nun also die Debüt-Single jener aufstrebenden Musikerin eingefunden. Ja, Bibi will jetzt auch Musi machen. Ist ja gar nicht so schwer. Mit ein bisschen „lalala“ oder doch eher „wap bap badadidada“ ist so ein Söngchen schnell geglückt. Text ist ohnehin überbewertet, sie textet uns in ihren Beauty- und Lifestyle-Videos ja bereits ausreichend zu. Der Aussagegehalt bleibt somit entsprechend niedrig. Wir erfahren irgendetwas von einem vermutlich imaginären Partner, der Bibi verlassen oder betrogen hat – wozu man den Guten eigentlich nur beglückwünschen kann. Daraufhin stürzt Bibi sich offenbar in andere Abenteuer. Allerdings ist hiervon nichts zu sehen. Kein Mann betritt das Szenenbild, denn das Filmchen bleibt eine One-Woman-Show, sexuell aufreizend inszeniert und mit Photoshop als ständigem Begleiter. Ebenso sei zu erwähnen, dass dieses regelmäßig eingesungene „Fapfap“ an einen onomatopoetischen Ausdruck für männliche Masturbation erinnert. Grenzt dies nun womöglich an Gehirnwäsche, weil niemand ohne unterbewusste Botschaft jemals auf die Idee kommen würde… gut, wenden wir uns lieber anderen Abgründen zu! Bibis narzisstisches Fußgewedel vermag höchstens einen besonders bedürftigen Fußfetischisten zu beeindrucken. Das alberne Dauergrinsen und die Unfähigkeit, selbst eine Teetasse überzeugend zum Mund zu führen, sind bloß weitere Aspekte, die den Trash-Gehalt jener sogenanten „Performance“ wunderbar unterstreichen. Man könnte „How it is“ als offiziellen Soundtrack zu „Kartoffelsalat 2“ verwenden, denn das würde diesem Leidgut (nein, ich habe diese Buchstaben NICHT versehentlich vertauscht!) optimal entsprechen.

Wie dem auch sei: Karma ist ein rätselhaftes Phänomen, das sich manchmal erst spät äußert, aber immerhin scheint es sich bei Bibi allmählich anzukündigen. Mit zwei Millionen Dislikes wurde das miserabel gesungene Gehirnwäsche-Präparat bereits gestraft und ihre Abonennten fliegen ihr davon wie die Luftballons in ihrem Video. Rückt das Ende jener teuflischen Kapitalismus-Industrie, welche über YouTube betrieben wird, damit vielleicht ein wenig näher? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Eines sei unserer Bibi jedenfalls zum Abschluss gesagt: Liebe Bibi, tu uns doch zukünftig den Gefallen und richte dich nach deinen Stärken, bevor du von deinen Fans gerichtet wirst. Und wenn ich dir noch auf die Sprünge helfen darf: Du hast eigentlich keine Stärken – und schon gar kein Talent. Gut, du kannst dein Maul aufreißen und Menschen manipulieren. Aber wenn wir diese Kleinigkeit mal eben ausklammern, bleibt leider nicht viel übrig. Also hör bitte auf, uns auf den Sack zu gehen und Millionen liebenswürdiger junger Mädchen zu verblöden und zu verderben… sodass unsere Welt zumindest wieder ETWAS lebenswerter wird.

Und jetzt gehe ich ins Tonstudio und nehme einen Netzgesong auf. Was Bibi kann, kann ich schon lange!

Was ist das für 1 Scheiß?

Sprache ist ja bekanntlich sterblich. Das wissen wir alle. Einige Pseudowortschatzakrobaten der Neuzeit bemühen sich wohl genau aus diesem Grunde darum, sie mit allen Mitteln zu Tode zu foltern.

Der neueste Spaß dieser traurigen Generation ist ein geradezu perverser Mischmasch aus deutschen und englischen Vokabeln sowie einer unpassend eingesetzten Ziffer. So entstand jener Satz, der inzwischen sogar als Kultphrase verstanden wird, jeden Sprachästheten jedoch mit Schmerzen straft: „Was ist das für 1 life?“

Die Historie dieser absurden Trenderscheinung möchte ich meinen Lesern nicht vorenthalten: Der Phänomene-Blog der Süddeutschen Zeitung klärt auf. Leider scheinen einige Menschen tatsächlich zu glauben, dass es sich dabei um einen kreativen Einfall handeln würde. Wer darin aber ernsthaft einen „Wandel“ der deutschen Sprache sieht, der hat gewaltig 1 an der Waffel… im Gegenteil, es signalisiert vielmehr das Ende derselben.

Dass im Zuge dieser Entwicklung selbst der renommierte und von mir sehr geachtete Suhrkamp Verlag Mut zum Dachschaden bewies, erfüllt mich dann schon mit einem gewissen Entsetzen. Aufmerksamkeit wurde jedoch besonders der Sparkasse zuteil, als diese folgenden Werbeslogan formulierte: „Gönn Dir ist einfach. Wenn man 1 gute Bank hat vong Vorsorge her.“ Vermutlich meinten die Beauftragten der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, dass sie mit einer ordentlichen Dosis Zeitgeist neue Kunden anlocken können. Im Zweifelsfall wird es ihnen sogar gelungen sein – in Zeiten, in denen ein labiler Verfasser umnachteter Tweets zum US-Präsidenten gewählt werden kann, sollte eine derartige Wirkungsweise kaum anzuzweifeln sein. In meinen Augen erweckt diese Aktion eher den Anschein, als würde ein seriöses Kreditinstitut Menschen mit geistiger Behinderung verspotten – vorausgesetzt, man wurde niemals mit diesem fragwürdigen Meme konfrontiert. Ältere Damen und Herren, die Twitter und Facebook höchstens aus den ZDF-Nachrichten kennen, dürften mit dieser Art der Straßenreklame mächtig überfordert sein.

Tja, wie dem auch sei… die gewissenlose Vergewaltigung der deutschen Sprache scheint unaufhaltsam fortzuschreiten. Und da die „1“ zumindest insofern nützlich scheint, dass sie den einfallslosen Werbetexter vor der Kündigung schützt, möchte ich den Leuten vom Fach einige Vorschläge unterbreiten, die keiner Qualitätskontrolle bedürfen.

Werbeslogans für 1 mehr Kunde vong 1 gute Unternehmen:

Parship.
Alle 11 minutes verliebt sich 1 single @Parship.
Also gönn dir den single hart, der hat schon lange 1 f*ck nötig!

Ferrero Küsschen.
Good friends knutscht man soft mit 1 kiss.

Doppelherz.
Die Power der 2 Herzen, gut für 1 Herz von alter Mann + Frau.

BILD.
BILD dir 1 Meinung – und zwar unsere!

Deutsche Bahn.
1 Bahn kommt. Gern auch 1 bisschen später.

Haribo.
1 Kind, 1 Erwachsener, 1 Bär, 1 happiness.

An dieser Stelle noch 1 kleines Fazit, das ihr euch echt hart gönnen solltet:
Ja, ich mache mich gerne über bekloppte Selfie-Trends oder die neuesten Challenges lustig – und das nicht zu Unrecht. ABER….. die Ära des Web 2.0.1 legt inzwischen Baustellen offen, die mich wirklich verzweifeln lassen. Deshalb lautet mein Appell an alle Möchtegern-Sprachakrobaten: Bitte schmeißt ruhig eure Handys in die Lüfte, klemmt Bleistifte unter eure Brüste, stülpt Kondome über eure Köpfe und verabschiedet euch beim Selfie-Schießen unverhofft von dieser Welt! Nur BITTE, BITTE, BITTE habt Erbarmen mit unserer wunderschönen Sprache! DANKE!

Ausblick: Weihnachten im Jahr 2030

Ach ja, die Vorweihnachtszeit… Der Dezember ist ja bekanntlich der einzige Monat im Jahr, in dem Traditionen noch Beachtung finden. Da befassen wir uns mit den ganz großen Fragestellungen unseres Lebens, etwa den im Folgenden genannten: Wo kann man Geschenke einkaufen, ohne von Menschenmassen überrannt zu werden? … Welcher TV-Sender repräsentiert die besten Kitsch- und Heimatfilme? … Wie tötet man den Weihnachtskarpfen in der Badewanne auf möglichst effektive Weise? Und da wir momentan so viel Wert auf Traditionen legen, möchte ich euch heute eine Weihnachtsgeschichte erzählen, die mit einem Blick in die nicht allzu ferne Zukunft einhergeht.

Weihnachten im Jahr 2030 – ein besinnlicher Ausblick

Es ist Dezember. Alles scheint höchst besinnlich. Irgendwo herrscht vermutlich gerade Krieg, aber das macht ja nichts. Das ist immer schon so gewesen und daran lässt sich wohl nichts ändern. In den Bussen und Bahnen setzen sich die Leute lieber mit Dingen auseinander, die nicht den Möglichkeiten ihrer Einflussnahme entgleiten. Pünktlich zum ersten Advent wurde die „Marzipankartoffel-Edition“ der Facebook-Anwendung „Candy Crush“ freigeschaltet. Zwölfjährige Jungen und Mädchen stehen harmonisch beieinander, jeder von ihnen seinem Smartphone zugewandt, und versperren einer älteren Dame den Durchgang zum letzten freien Sitzplatz. Aber man darf ihnen keine bösen Absichten unterstellen – ihnen wurde eben niemals gelehrt, ihre Umwelt wahrzunehmen. Deshalb hätte auch die Greisin nicht erwartet, dass man ihr mit Anstand begegnen würde. Diese Kids wollen eben fly sein, wie könnte sie es ihnen verübeln?

Nach siebzehn Minuten hat sie ihr Ziel erreicht. Sie steigt vorne aus, ohne sich beim Busfahrer zu verabschieden. Wir befinden uns ja schließlich nicht mehr in den 90ern. Im Nebel, den sie unter Zuhilfenahme ihrer Anti-Nebel-App durchschreitet, verbirgt sich das vor drei Jahren eröffnete Steve Jobs-Gedächtniszentrum. Die alte Dame schwelgt noch in den Erinnerungen an die letzten Supermärkte, die vor einer halben Dekade ihre Pforten schlossen. Schon damals war absehbar, dass diese antiquierten Real Life-Shopping-Einrichtungen dem Marktriesen Amazon nicht ewig Widerstand leisten konnten. Nun ist es an der Zeit, die Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Aufgrund ihrer schwindenden Sehschärfe ist diese Frau kaum in der Lage, am Mobiltelefon größere Aktionen auszuführen. Also müssen die hier verfügbaren Monitore in Leinwandgröße Abhilfe schaffen. Gewiss kann jeder Passant beobachten, was unsere Protagonistin dort treibt. Überwachungskameras zeichnen ihre Aktivitäten zusätzlich auf – zur Sicherheit, versteht sich! Insofern ist es beinahe nützlich, dass der Passwortschutz inzwischen abgeschafft und durch eine Selfie-Anmeldung ersetzt wurde.

Nach erfolgreichem Online-Konsum begibt sie sich noch zur Climate Change Area, die sich in der Nähe des Ausgangs befindet. Dort lässt sich der derzeitige Stand des Klimawandels einsehen. Ein integrierter Countdown verkündet die voraussichtlich verbleibende Lebensdauer der Menschheit – eben bis zu jenem Zeitpunkt, an dem unser CO2 nicht mehr atembar sein wird. Es mutet wie Zynismus an, dass aus einem Lautsprecher nahe der Auskunftstheke der Song „Last Christmas“ ertönt. Manche Dinge ändern sich eben nie.

Wechseln wir rasch unsere Perspektive: Unsere Aufmerksamkeit gilt nun einer Gruppe von Jugendlichen zwischen 16 und 17 Jahren, die auf dem Schulhof stehen und sich gar sonderbar verhalten. Grund hierfür ist ein neues Meme, welches momentan die sozialen Netzwerke flutet: Die Eyes up-Challenge. Die Schüler wenden ihren Blick vom Handy ab und betrachten für einige Sekunden ihre Umgebung. In ihren Augen lässt sich Furcht und Unsicherheit vernehmen und ihre Köpfe bleiben doch stets gesenkt. Der Anführer jener Gruppe filmt das Geschehen mit seinem Smartphone und lässt dieses Zeugnis einer vermeintlich aufstrebenden Generation bei Youtube erscheinen. Nun widmet man sich wieder den üblichen WhatsApp-Konversationen und schenkt den Klassenkameraden noch weniger Beachtung als zuvor. In drei Tagen jedoch wird man an diesem Treffpunkt erneut Real Socialising betreiben – pünktlich zur Nikolaus Challenge. Die Regeln sind simpel und vielleicht ein wenig grotesk: Hierbei füttern sich die jungen Menschen gegenseitig mit Schokolade, welche allerdings nicht mit herkömmlichem Besteck, sondern mit dem Handy in die hungrigen Mäuler geschaufelt wird.

Ansonsten verläuft die Vorweihnachtszeit eigentlich eher unspektakulär. Weihnachtsbäume stehen inzwischen unter Artenschutz und dürfen lediglich noch von 3D-Druckern erzeugt werden. Weiße Weihnachten gelten unlängst als Legende und der Weihnachtskarpfen ist wahrscheinlich ausgestorben.

Natürlich ist diese Geschichte bisweilen als Fiktion zu betrachten – ein guter Grund, dieses Weihnachten nochmal zu genießen!

Von Geistern auf Parkbänken

Vor einigen Wochen meldete sich bei Domian eine Anruferin zu Wort, die sich als Opfer eines sogenannten Ghosting-Trends sieht. Ghosting, so schilderte die Dame weiter, bezeichne das Verhalten eines Liebespartners, quasi stillschweigend aus dem Leben seiner Gefährtin zu verschwinden (und vermutlich auch umgekehrt). Vor zwanzig Jahren wurde dies vielleicht noch liebevoll „Arschloch“ genannt, heute hingegen ist von einem Zeitgeistphänomen die Rede – „Ghosting“ eben. Kürzlich trug zudem ein kritischer Artikel auf welt.de zur Erweiterung meines Wissensstandes bei. Demnach wurde jene Datingsprache mittlerweile um den Begriff „Benching“ ergänzt. Der Unterschied ist rasch erklärt: Während der gemeine Ghoster so gar keinen (digitalen) Laut mehr von sich gibt, schreibt der feige Bencher noch distanzierte SMS- oder Whatsapp-Nachrichten.

Fassen wir also zusammen: Unsere digitale Gesellschaft ist mehr denn je bemüht, den Nutzen der deutschen Sprache zu untergraben, indem sie abstrusen englischen Wortschöpfungen aus dem Hipsterjargon Einlass ins Vokabular gewährt – mystisch anmutende Verben, welche eine eigentlich richtig miese Angelegenheit mit ihrem Wohlklang zu verharmlosen scheinen. Besagte Phänomene kennen wir allerdings schon aus unserer Jugend und auch unsere Großeltern dürften darüber zu berichten wissen. Bereits in der Steinzeit waren Ghosting und Benching gang und gäbe. So hinterließ zum Beispiel ein benching-begabter Höhlenmensch seinem Weib die folgende Botschaft auf der Kreidewand: „Na? Wie ist das Mammut heute?“ (Ja, das ist tatsächlich überliefert. Ich bin nur gerade zu faul, die entsprechenden Quellen anzugeben.)

Natürlich muss dieser Beitrag schlussendlich mit einem Blick in die Zukunft aufwarten. Aus diesem Grund werde ich nun einige Vorschläge auflisten, durch welche sich unser neues Sprachverständnis noch bereichern ließe.

Holejumping.
In eine Depression verfallen.

Freestyle-wagging.
Sich exhibitionieren, in der Öffentlichkeit sein Genital entblößen.

Loveguarding.
Paare beim Geschlechtsverkehr beobachten, etwa im Park oder im privaten Schlafzimmer der Liebenden – sofern freie Sicht besteht.

Economicloving.
Heiratsschwindel, eine reiche Frau bzw. einen reichen Mann ehelichen, ohne die Person tatsächlich zu lieben.

Wine-insourcing.
Von Alkohol abhängig sein.

Caretalking.
In betrunkenem Zustand wildfremde Leute ansprechen, pöbeln.

Greenskipping.
Die Gefühle der Natur missachten, Mülltrennung vermeiden, Meere verschmutzen, Wälder abholzen, den Klimawandel vorantreiben, etc.

Brownchanging.
Zur Abwechslung mal eine rechtsradikale Partei wählen.

abstract-acting.
Öffentlich ausflippen, sich danebenbenehmen.

Ein typischer Dialog unter Jugendlichen würde in zehn Jahren übrigens etwa folgendermaßen stattfinden:

„Ey, hast du schon gelistened, wie die olde Bitch abstract geacted hat, als ihr Belonger ihr den Deal mit der Zweitbitch confessed hat?“ – „Klar! Voll outgesourced hat die!“

Und wir werden die Jugend immer wieder fragen: „Worin bestand denn nun eigentlich euer Problem mit der deutschen Sprache?“

Langeweile 2.0: High Five mit Handy-Freiflug

Als man mich in jungen Jahren dazu aufforderte, auf die Hand eines anderen Kindes einzuschlagen, hielt ich das für einen recht aggressiven Akt der wechselseitigen Kommunikation. Der deutschsprachige Appell „Schlag ein!“ ließ sich ja schon mit einem Kampfsignal gewalttätiger Jugendbanden assoziieren. Aber sie war beinahe nachvollziehbar, sofern man sich nicht zu viel dabei dachte. Als sich das Codewort allerdings von „Schlag ein!“ zu „High Five“ wandelte, konnte ich bloß mit dem Kopf schütteln. Eine Weltsprache ist ja eine gute Sache, aber derartige Begrifflichkeiten aus dem internationalen Jugendslang haben sich mir niemals erschlossen. „Hohe Fünf“ hätte jedoch kaum plausibler geklungen. Man konnte sich also lediglich fragen, was denn die nächste Stufe einer modernen Begrüßung darstellen würde – etwa zwei Köpfe, die begeistert aufeinanderprallen, quasi als High Nine mit darauffolgender Gehirnerschütterung? Selbst das wäre sicher noch harmlos gewesen. Doch nun – einige Jahrzehnte später – erhalten wie unsere Antwort: Der Nachfolger jener populären High Five-Grußformel ist das High Five-SELFIE.

Wie ein unter bestimmten Gesichtspunkten vermutlich hochwertiger Artikel beschreibt, ist der besagte Trend durch den üblichen Twitter-Domino-Effekt entstanden. Da dachte sich ein selbsternannter Lebenskünstler: Drücken wir doch mal den Auslöser unserer Smartphone-Kamera, schmeißen das nutzlose Ding anschließend in die Lüfte und klatschen ganz schnell die Hände über dem Kopf zusammen. (Letzteres sei kritischen Beobachtern dieser Aktion ohnehin empfohlen!)

Mit der ursprünglichen Hochverfünfung hat diese Zeremonie tatsächlich recht wenig gemeinsam. Immerhin benötigt man hierzu keinen „Abklatsch-Kumpel“, sondern lediglich zwei intakte Hände sowie ein gewisses Reaktionsvermögen bzw. ein gesundes Maß an Hyperaktivität. Somit entspricht diese Technik zweifelsfrei dem gängigen Bild einer vereinsamten Web 2.0-Generation, deren durchschnittlicher Vertreter in erster Linie die Nähe seines Mobiltelefons zu suchen scheint. Wie dem auch sei: Zeiten ändern sich und es wird der Tag kommen, an dem sich unsere Spezies nur noch über Likes und Selfies zu verständigen weiß.

Eigentlich dient die Hochverfünfung 2.0 sogar einem guten Zweck. In den nächsten Monaten werden voraussichtlich viele Smartphones zu Bruch gehen und einige Menschen werden dazu genötigt sein, einfach mal wieder ihr eigenes Gehirn zu benutzen – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Gehalt oder der Elternzuschuss ausreicht, um sich die neue, erstmals rundum gepolsterte Version des intelligenten Hosentaschenfreundes anzueignen.

Für geringe Hirntätigkeit: Bompeln für Smombies!

Die nächste Stufe der menschlichen Evolution scheint endlich erreicht: Zumindest fühlen sich bereits erste Städte dazu verpflichtet, die Sicherheit von Smombies durch Bompeln im Straßenverkehr zu fördern. Und da dieser Satz verdächtig nach einer modernen Variante des Orwell’schen Neusprech zu klingen vermag, möchte ich sogleich erwähnen, dass ich diese Entwicklung als äußerst doppelplusungut empfinde. Allerdings werde ich mich in diesem Artikel nicht erneut mit der Verunstaltung unserer Sprache befassen, zumal ich mich doch schon superplusgut an den wunderbar adäquaten Smombie-Begriff gewöhnt habe. Vielmehr gedenke ich heute, mit der Erfindung besagter Bompeln abzurechnen, hinter denen sich, man kann es vielleicht erahnen, zeitgemäße BOdenaMPELN verbergen. Und solche Bodenampeln wurden lediglich zu einem Zweck geschaffen: Um Smartphone-Zombies das Leben zu erleichtern!

Was geschieht bloß mit uns? Müssen wir wirklich zusehen, wie Leute, (insbesondere junge Leute, die nichts mehr davon verstehen, auf einer Schaukel zu sitzen oder eine Pusteblume auszupusten) jetzt vollkommen verblöden? Nun bin ich kein Verfechter hanebüchener Verschwörungstheorien, doch kommt man kaum umhin, eine simple Kleinigkeit zu beachten: Der Erfinder des Smartphones hat diese Bezeichnung sicher nicht umsonst gewählt. Folglich wurde ein Telefon erschaffen, das nicht einzig der Kommunikation dienen, sondern ebenso das Denken für uns übernehmen sollte. Bompeln fungieren hingegen als externe App, also eine Erweiterung, die genau dasselbe tut. Man könnte auch von Smartbompeln sprechen. Warum diese nach alter Morlock-Manier im Boden verweilen, ist rasch erläutert: Smartphone-Nutzer starren auf ihr Handy. Dieses wird aber selten vor die Sonne gehalten, weshalb sich der Blick nach unten senkt. Konventionelle Ampeln befinden sich allerdings auf einem anderen Höhenlevel, wohingegen Bompeln von unten aufleuchten und vom herannahenden Smombie eher zur Kenntnis genommen werden.

Hierbei stelle ich mir jedoch die Frage: Ist dieser Prozess für jene Zielgruppe nicht viel zu kompliziert? Schließlich müssen auch die Farben dieser grellen Lichter richtig gedeutet werden. Wann darf man gehen und wann muss man stehen? Sind Smombies weiterhin dazu in der Lage, diesen komplexen Sachverhalt zu entschlüsseln? Werden Smombies in 10 Jahren noch dazu fähig sein? Fortschritt und Rückschritt gehen miteinander einher – beide sind sie nicht aufzuhalten. Smartphones sowie ähnliche technische Errungenschaften bezwecken auf Dauer eine neue Evolution des menschlichen Geistes. Dieser darf somit nicht ewig auf seine Gehirntätigkeit angewiesen sein, da diese zwangsläufig nachlässt. Was wird man also tun, wenn Bompeln nicht mehr ausreichen? In einer Zeit, in der unsere Spezies den aufrechten Gang verlernt hat und sich deren Augen nicht länger verdrehen lassen? Wird das Smartphone den Verkehr steuern? Muss die Survival-App jederzeit aktiviert sein und automatische Updates aus der Sicherheitszentrale empfangen? Was wäre, wenn ein Meteorit aus dem Weltraum die Sicherheitszentrale beschädigt und die Survival-App keine Updates mehr erhält? Ach ja, wartet! Ich komme von selbst darauf! Die Menschheit stirbt aus, stimmts? Ach ja, welch eine rosige Zukunft! Danke, liebe Bompeln!

Nackt als Huhn posieren – warum nicht?

Das Internet braucht Trends – schließlich wurde es in den 90ern bloß zu einem Zweck erdacht: Menschen sollten sich mit anderen Menschen vernetzen, um zu erkennen, dass sie längst nicht so verrückt sind, wie sie dachten. Folglich kann es als vollkommen normale Entwicklung betrachtet werden, wenn man sich in diesen Tagen pausenlos durch diverse Bildergalerien wühlt, die äußerst skurrile Beispiele menschlicher Selbstdarstellung offenbaren – so etwa frozenchook.com.

Besagte Website ernährt sich allein von Männern (und teilweise auch Frauen), die meist in aller Öffentlichkeit nackt posieren und dabei eine gekrümmte Haltung einnehmen – eine Haltung, die auf den ersten Blick auf eine schwerwiegende Verstopfung oder ähnliche Darmerkrankungen schließen lässt. Aber nein, keine Sorge: Unsere Selbstdarsteller erfreuen sich bester Gesundheit. Sie haben sich lediglich zu einem Leben als tiefgefrorenes Hühnchen entschieden. Tja, was solch ein Neubeginn manchmal mit sich bringt. 🙂 (Näheres unter Focus Online!)

Nun lästern sie doch nicht gleich! Ich meine… in Zeiten, in denen sich junge Frauen Stifte unter die Brüste klemmen, um das Netz von der Echtheit ihres sekundären Geschlechtsmerkmals zu überzeugen, folgt der Frozen Chook-Trend noch einem gewissen Niveau. Dieser entstand übrigens innerhalb einer durchzechten Partynacht, in deren Verlauf einige Neuseeländer mit Messer und Gabel ihren Freund verspeisten, da dieser offenbar eine Wette verloren hatte. Das Bild wurde natürlich vorher ins Internet geladen und signalisierte die Geburtsstunde einer neuen Ära.

Da es sich bei diesem Blog um ein etabliertes Forschungsprojekt handelt, mussten jedoch einige Analysen hinsichtlich dieses Internet-Phänomens durchgeführt werden. Die Pose des menschlichen Geflügels zeugt eindeutig von einem scheinbar unfreiwilligen Nudismus. Sie vergraben ihre Gesichter quasi im Erdboden und flehen geradezu nach jener Anonymität, die ihnen das Netz nicht gestattet. Auf psychologischer Bedeutungsebene konnte sich hingegen eine andere Erklärung bewähren: Demnach litten die Selbstdarsteller an chronischer Langeweile oder wollten dem toten Huhn gegenüber ihre Solidarität zum Ausdruck bringen.

Doch sogar dieser Trend birgt Gefahren. Ein Beispiel hat sich in einem Hotel bei Chickentown ereignet. Ein verwegenes junges Pärchen bestellte sich bei einem Nahrungsmittellieferanten ein Hähnchen süß-sauer aufs Zimmer. So kam es, dass der Hühnchenbote ein Verfechter von Frozen Chook war. Folglich entkleidete er sich nach seiner Ankunft und nahm die bekannte Pose ein, bevor die ausgehungerten Kunden die Tür zum Flur öffneten. Für den Mann kam jede Hilfe zu spät.

Tja, und was kommt nun? Auch Frozen Chook wird eines Tages vergeben und vergessen sein. Große Chancen auf einen Nachfolger hat jedenfalls das Hanging Pig. Dazu wird ein langer, fester Spieß oder etwa eine Wäscheleine in einem Raum aufgehängt, damit man sich dort oben nackt ausbreiten und Hände sowie Füße in Spanferkel-Manier nach unten baumeln lassen kann.

Hinweis: Dieser Artikel ist selbstverständlich Satire. So ziemlich alles, was hier geschrieben steht, ist nichts als hirnrissiger Blödsinn. Was hingegen real ist, lässt sich den verlinkten Websites entnehmen.

Aufgeklärt: Wie die „Kondom-Challenge“ wirklich funktioniert

Achtung: Dieser Beitrag ist Satire! Wenn Sie wirklich wissen möchten, wie Kondome angewandt werden, lesen Sie bitte die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!

Das Fest der Liebe steht vor der Tür. Ein guter Grund also, sich mit Kondomen zu beschäftigen.

Richtig, Kondome! Wozu werden sie noch gleich angewandt? Nun, das habe ich beim Konsum dieses lehrreichen Videos fast schon selbst vergessen. Dabei geht hieraus doch eindeutig hervor: Man benötigt sie zur Kondom-Challenge!!

*Seufz* Was ist nur mit dieser Welt geschehen? Gut, fassen wir es mal ganz objektiv zusammen: Jugendliche Menschen oder solche, die gerne noch jugendlich wären, füllen ein Kondom mit Wasser, um es sich dann in wechselseitigem Einverständnis über den Kopf flutschen zu lassen. Das aufgeplusterte Tütchen hüllt daraufhin das Gesicht des Opfers ein, als würde dieser einen überaus lächerlichen Astronautenhelm tragen. Diesen Akt zeichnet man mit Kamera, Webcam oder Smartphone auf und lädt ihn auf eine gängige Video-Plattform.

Tja. Nun frage ich mich: Warum? WARUUUUUUUUUM??????

Die Antwort ist ebenso simpel wie traurig: Die Jugend weiß heute schlichtweg nicht mehr, wozu Kondome eigentlich dienen. Natürlich ist dieser Blog für seine allgemeine Aufklärungsfunktion bekannt, sodass ich mich einfach mal um einen einigermaßen jugendfreien Erklärungsansatz bemühen werde.

PUNKT EINS: Prall gefüllt.

Im Video ist die Rede von einem „prall gefüllten Kondom“. Ich richte mich nun an Frauen sowie homosexuelle Männer, wenn ich sage: Ein „prall gefülltes Kondom“ ist auf jeden Fall ein SEHR GUTER ANSATZ. Allerdings sollte es NICHT mit Wasser gefüllt sein. Wasser ist flüssig und das Gegenteil von flüssig ist ja bekanntlich… Hm, fest? Nun gut, so kann man es benennen. Aber es gibt da noch ein Adjektiv, das den gesuchten Zustand etwas deutlicher beschreibt. Ihr wisst ja, wie das Leben ist, nicht wahr? Super, dann hätten wir diesen Aspekt ja schon mal geklärt. 🙂

PUNKT ZWEI: Mit dem Kopf nur DENKEN!

Um ein Kondom ordnungsgemäß zu verwenden, sollte man sich konzentrieren. Der Kopf wird folglich zum Denken benötigt. Somit darf man sich das Kondom keineswegs über das besagte Verarbeitungszentrum stülpen. Es entspricht in seiner speziellen Ausführung vielmehr einem anderen Körperteil. Dabei handelt es sich um ein Organ, über das Frauen nicht verfügen und das man im Büro, in der Schule oder in Bus und Bahn meist sicher verwahrt hält. (Manche tun das auch nicht und wedeln stattdessen freudig damit herum. Solche Menschen werden als Exhibitionisten bezeichnet.) Und ja, die Rede ist von jenem Organ, das man in deutschen Filmen selten sichtet, in französischen Streifen dafür umso häufiger. Verstanden? Prima! Sollte kein Mann zugegen sein, spürt bitte zunächst einen auf! Und damit gelangen wir zu…

PUNKT DREI: Zwei an der Zahl.

Es muss ein Mann dabei sein, alles andere ist egal. Hierbei spielt jedoch das persönliche Interesse eine entscheidende Rolle. Als wichtig wird zudem erachtet, dass nicht mehr als zwei Personen anwesend sind. Ansonsten dürfte sich die Anwendung des Kondoms erschweren. Andererseits könnten weitere Personen durchaus als Zuschauer vor Ort sein, was wiederum ebenso vom persönlichen Interesse abhängig gemacht werden sollte.

PUNKT VIER: Höhepunkt der Sensation.

Sofern das Kondom sicher angebracht wurde, kann der Höhepunkt der Sensation erfolgen. Dies ist ein relativ simpler Vorgang. Man erinnere sich dabei an einen USB-Stick, der den passenden Anschluss benötigt. Das sollte heutzutage jeder verstehen. Allerdings ist es ein eher natürlicher als technischer Prozess und der USB-Stick muss sich zuvor einer Verwandlung unterziehen, um die ideale Gestalt anzunehmen.

PUNKT FÜNF: Man muss es nicht filmen!

Für die Netzjugend von heute mag es enttäuschend klingen, wenn ich sage: Man nimmt es nicht auf Video auf! Vielleicht werdet ihr nun fragen: Wo bleibt denn da der Spaß? Daraufhin werde ich antworten: Probiert es aus und ihr werdet womöglich zum ersten Mal in eurem Leben erfahren, was wirklich Spaß bereitet! Na gut, man kann es auch filmen, wenn man möchte. Man lädt es aber nicht auf YouTube hoch, sondern auf eine anders orientierte Videoplattform. Doch bevor dieser Upload durchgeführt werden darf, solltet ihr das 18. Lebensjahr erreicht haben. Sofern dies nicht der Fall ist, muss der Upload durch eine dritte Person getätigt werden. Zuvor müsst ihr jedoch eure Mutter um Erlaubnis bitten. Wenn sie euch nicht davon abhält, solltet ihr diese Situation zunächst dem Jugendamt schildern!

PUNKT SECHS: Keinen beliebigen Partner wählen!

Zum Abschluss solltet ihr außerdem bedenken, dass die WAHRE Kondomchallenge häufig von LIEBE abhängig ist. Falls ihr die Liebe ignoriert, kann das eventuell ungeahnte Konsequenzen mit sich bringen. Wenn ihr verliebt seid und euch in einer Beziehung befindet, solltet ihr die Kondomchallenge unbedingt mit eurem Lebensgefährten oder dem Objekt eurer Begierde durchführen und nicht etwa einen komplett anderen Challenge-Partner wählen.

Und wieder einmal hat dieser Blog seinen Bildungsauftrag im besten Sinne erfüllt! 🙂

Erzwungene Sprachkonstrukte 2015: Der Smombie

Als bekennender Smegetarier (Smartphone-Nichtbesitzer!) faszinieren mich gewisse Entwicklungen ja durchaus. Deshalb möchte ich mich heute einem aktuellen Thema widmen.

Der Smombie wurde zum Jugendwort des Jahres 2015 ernannt!!! Beim Smombie handelt es sich übrigens nicht um einen Cocktail aus der Nerdkneipe von nebenan, sondern vielmehr um ein Abfallprodukt der deutschen Sprache, welches irgendwann vom Langenscheidt-Verlag erdacht wurde, damit dieser es fortan so darstellen kann, als würden es reale Jugendliche zwischen 15 und 21 Jahren tatsächlich verwenden – in ihrer geheimen Sprachzüchtungsanlage, in welcher zudem Begriffe wie das grammatikalisch absurde „läuft bei dir“ ihren Ursprung fanden. Smombie bezeichnet jedenfalls den allseits auffindbaren Smartphone-Zombie – also eine Gestalt, die ihren starren Blick stets auf ein Smartphone gerichtet hält.

Natürlich standen noch weitere unnütze Vokabeln zur Option: So etwa der Alpha-Kevin, der allerdings kurzfristig verhindert war, da er die minder populäre Beta-Jaqueline zu ehelichen gedachte. Auch „Merkeln“ stand zur Debatte, doch die Anwälte der Bundeskanzlerin waren den Sprachakrobaten aus dem Hause Langenscheidt leider überlegen.

Besagte Mülldeponie der deutschen Jugendsprache hat außerdem das bekannte YOLO adoptiert. Und YOLO zählt definitiv zu diesen Wörtern… gut, lassen Sie es mich milde formulieren: YOLO ist eines dieser Wörter, die nicht ganz zu Unrecht Aggressionen hervorrufen. Ehrlich gesagt schlage ich gerade selbst auf mich ein, weil ich diese unter Drogeneinfluss entworfene Hipster-Lebensweisheit nun schon zum dritten Mal in diesem Artikel erwähnt habe. Wenn ich hiermit fertig bin, muss ich wohl einige Schmerztabletten konsumieren.

Nun… Smombie! Wie man darauf gekommen ist? Keine Ahnung. Immerhin spiegelt dieses Unwort die jugendliche Realität ziemlich exakt wider. Man muss nur mit einem Dutzend Schülern zusammen in einem Bus fahren, um dies zu erkennen. Meine journalistische Wissbegier jedoch hat mich zum Einbru…. äh, Besuch im Wortschatz-Archiv des Langenscheidt-Verlags animiert. Somit konnte ich einen Blick auf eine ellenlange Liste von Begrifflichkeiten werfen, die dem „Smombie“ durchaus ähnlich sind. Nachfolgend möchte ich euch eine kleine Auswahl davon präsentieren:

Smampe: Smartphone-Schlampe. Sie lädt aufreizende Profilbilder auf Facebook hoch und erledigt dies logischerweise von ihrem Smartphone. Somit ist sie jederzeit und überall zu neuem Schlampentum bereit.

Smoser: Smartphone-Loser. Er besitzt ein Smartphone, ansonsten aber rein gar nichts.

Smoll: Smartphone-Troll. Er benutzt sein Smartphone, um Plattformen wie Youtube oder Twitter anzusurfen und dort mit provokativen oder beleidigenden Bemerkungen Unruhe zu stiften.

Smulmädchen: Smartphone-Schulmädchen. Über „What’s App“ kommuniziert es meist mit anderen Smulmädchen. Dabei werden Herzchen im Übermaß verwendet.

Smurist: Smartphone-Jurist. Er versucht Leuten gerne mit rechtlichen Fragen zu helfen, indem er schnell über Wikipedia die Rechtslage herausfindet.

Smimulant: Smartphone-Simulant. Er geht niemals zum Arzt, nimmt aber ständig Beschwerden wahr, nach denen er googelt, um schließlich herauszufinden, dass er an einer bestimmten Krankheit leidet – oder sogar an mehreren zugleich.

Rüssel muss mal kurz – oder die schlechtesten Werbefilme aller Zeiten

Wie Sie vielleicht wissen, wurde dieser Blog einst ins Leben gerufen, um die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele im Internet aufzudecken. Es versteht sich von selbst, dass ich diesen Werbefilm von den Meisterarchitekten öffentlicher Bezahltoiletten nicht ignorieren kann. Sie sollten ihn sich zunächst unbedingt ansehen: Vorsicht, Gehirnwäsche!

Haben Sie ihn gesehen? Wirklich?

Würden Sie auch aus dem 7. Stockwerk eines Hauses springen, wenn ich Sie darum bitten würde? Ach ja, ich bin wahrhaftig ein Manipulationsgenie!

Fassen wir also zusammen: Im Sanifair-Imagefilm flaniert die etwa zwölfjährige Amelie (Zauberhafte Welt der Amelie, ist klar! Ich kann nicht oft genug AUTSCH schreien!) durch eine hochwertig ausgestaltete Piss- und Kackumgebung. Ganz selbstverständlich zückt sie dabei die Kreditkarte von Papa, weil dieser natürlich nichts Besseres damit anzufangen weiß, als die Tochter mit ihrem „Rüssel“ zum Pinkeln zu schicken. (Für diesen Satz haue ich mich bereits selbst!) Amelie wird von der Firma Pee Five… äh, Pie Five, welche dieses Machwerk verbrochen hat, als charmant beschrieben. Eigentlich empfand ich ihre gesamte Präsenz eher als gruselig: Die junge sommersprossige Dame mustert uns mit ihren durchdringenden blauen Augen, als wäre Sie zuvor von Sanifair-Reinigungskräften hypnotisiert worden. So läuft sie mit einem breiten Grinsen und einer „Schnappi, das kleine Krokodil“- Gedächtnisstimme durch die Anlage und darf Sprüche aufsagen, für die sie mit Sicherheit noch oft in der Schule gemobbt werden wird. (Und das sollten Erwachsene, die solche Drehbücher schreiben, eigentlich selbst erkennen!) Apropos Sprüche: Ich möchte mir an dieser Stelle die Zeit nehmen, einige von Amelies geistreichen Sätzen liebevoll zu kommentieren:

„Das Bezahlen geht ja voll leicht!“
Noch leichter könnte es sein, wenn man fürs Pinkeln gar nicht erst bezahlen müsste.

„Ich kann sogar mit Papas Kreditkarte zahlen. Und mit seinem Handy funktioniert es sogar auch noch.“
Frage: Hast du zufällig auch Papas Personalausweis im Gepäck? Seinen Ehering? Seinen feinen Anzug? Seine Aktienfonds? Sein Schwarzgeld? Sein Viagra?

[Herrentoilette:] „Ups, hier bin ich falsch!“
Wieso? Du hast doch deinen „Rüssel“ dabei! *schenkelklopf*

„Oooh, ist das schön hier!“
Jetzt wissen wir alle, wohin du dich später mit den großen Jungs verziehst, wenn du mal 17 bist. Was ist schon ein langweiliges Himmelbett gegen ein Sanifair-Wohlfühlparadies?

„Und was jetzt passiert, ist reine Magie!“
Magie – Made in Japan, um genau zu sein!

„Rüssel muss mal kurz!“
*Prust* OK, sorry, ich geh mal eben zum Lachen in den Keller!
Alles klar, geht wieder!

„Mmmh, das riecht frisch!“
Mädchen, man hält die Finger UNTER das Wasser, wenn man sie waschen will!

„Oh Rüssel! Nichts passiert!“
Von den dekorativen Bakterien, die sich Rüssel auf dem Fußboden zugezogen hat, mal abgesehen.

Aber lassen wir Amelie nun mal aus und vor! Sie ist nur ein armes Kind, dessen Eltern es zulassen, dass sie sich als trauriges Fremdschämobjekt zur Schau stellen lässt. In Wirklichkeit heißt sie zudem mit Sicherheit nicht Amelie, sondern vielleicht Jaqueline, Chantalle oder Estefania.

Zumindest wissen Sie nun, dass Ihr Geld, das Sie in jenen sanitären Anlagen verschleudern, in ominöse Online-Werbefilme angelegt wird. Also denken Sie besser daran, falls wieder einmal die Natur ruft. Eventuell ziehen Sie dann eher den nächsten Luxus-Park, einen Märchenwald oder eine paradiesische Seitengasse vor? Jedenfalls sollten Sie sich nicht darauf versteifen, dass die Sanifair-Toiletten in Ihrer Nähe ebenso frisch gereinigt sind, wie das utopische Vorbild aus dem Imagefilm. Da sollte man vielleicht nicht gerade mit „Rüssel“ den Boden wischen. (Urgs, jetzt fängt der Wortspiel-Schwachsinn schon wieder an!)