Für geringe Hirntätigkeit: Bompeln für Smombies!

Die nächste Stufe der menschlichen Evolution scheint endlich erreicht: Zumindest fühlen sich bereits erste Städte dazu verpflichtet, die Sicherheit von Smombies durch Bompeln im Straßenverkehr zu fördern. Und da dieser Satz verdächtig nach einer modernen Variante des Orwell’schen Neusprech zu klingen vermag, möchte ich sogleich erwähnen, dass ich diese Entwicklung als äußerst doppelplusungut empfinde. Allerdings werde ich mich in diesem Artikel nicht erneut mit der Verunstaltung unserer Sprache befassen, zumal ich mich doch schon superplusgut an den wunderbar adäquaten Smombie-Begriff gewöhnt habe. Vielmehr gedenke ich heute, mit der Erfindung besagter Bompeln abzurechnen, hinter denen sich, man kann es vielleicht erahnen, zeitgemäße BOdenaMPELN verbergen. Und solche Bodenampeln wurden lediglich zu einem Zweck geschaffen: Um Smartphone-Zombies das Leben zu erleichtern!

Was geschieht bloß mit uns? Müssen wir wirklich zusehen, wie Leute, (insbesondere junge Leute, die nichts mehr davon verstehen, auf einer Schaukel zu sitzen oder eine Pusteblume auszupusten) jetzt vollkommen verblöden? Nun bin ich kein Verfechter hanebüchener Verschwörungstheorien, doch kommt man kaum umhin, eine simple Kleinigkeit zu beachten: Der Erfinder des Smartphones hat diese Bezeichnung sicher nicht umsonst gewählt. Folglich wurde ein Telefon erschaffen, das nicht einzig der Kommunikation dienen, sondern ebenso das Denken für uns übernehmen sollte. Bompeln fungieren hingegen als externe App, also eine Erweiterung, die genau dasselbe tut. Man könnte auch von Smartbompeln sprechen. Warum diese nach alter Morlock-Manier im Boden verweilen, ist rasch erläutert: Smartphone-Nutzer starren auf ihr Handy. Dieses wird aber selten vor die Sonne gehalten, weshalb sich der Blick nach unten senkt. Konventionelle Ampeln befinden sich allerdings auf einem anderen Höhenlevel, wohingegen Bompeln von unten aufleuchten und vom herannahenden Smombie eher zur Kenntnis genommen werden.

Hierbei stelle ich mir jedoch die Frage: Ist dieser Prozess für jene Zielgruppe nicht viel zu kompliziert? Schließlich müssen auch die Farben dieser grellen Lichter richtig gedeutet werden. Wann darf man gehen und wann muss man stehen? Sind Smombies weiterhin dazu in der Lage, diesen komplexen Sachverhalt zu entschlüsseln? Werden Smombies in 10 Jahren noch dazu fähig sein? Fortschritt und Rückschritt gehen miteinander einher – beide sind sie nicht aufzuhalten. Smartphones sowie ähnliche technische Errungenschaften bezwecken auf Dauer eine neue Evolution des menschlichen Geistes. Dieser darf somit nicht ewig auf seine Gehirntätigkeit angewiesen sein, da diese zwangsläufig nachlässt. Was wird man also tun, wenn Bompeln nicht mehr ausreichen? In einer Zeit, in der unsere Spezies den aufrechten Gang verlernt hat und sich deren Augen nicht länger verdrehen lassen? Wird das Smartphone den Verkehr steuern? Muss die Survival-App jederzeit aktiviert sein und automatische Updates aus der Sicherheitszentrale empfangen? Was wäre, wenn ein Meteorit aus dem Weltraum die Sicherheitszentrale beschädigt und die Survival-App keine Updates mehr erhält? Ach ja, wartet! Ich komme von selbst darauf! Die Menschheit stirbt aus, stimmts? Ach ja, welch eine rosige Zukunft! Danke, liebe Bompeln!

Nackt als Huhn posieren – warum nicht?

Das Internet braucht Trends – schließlich wurde es in den 90ern bloß zu einem Zweck erdacht: Menschen sollten sich mit anderen Menschen vernetzen, um zu erkennen, dass sie längst nicht so verrückt sind, wie sie dachten. Folglich kann es als vollkommen normale Entwicklung betrachtet werden, wenn man sich in diesen Tagen pausenlos durch diverse Bildergalerien wühlt, die äußerst skurrile Beispiele menschlicher Selbstdarstellung offenbaren – so etwa frozenchook.com.

Besagte Website ernährt sich allein von Männern (und teilweise auch Frauen), die meist in aller Öffentlichkeit nackt posieren und dabei eine gekrümmte Haltung einnehmen – eine Haltung, die auf den ersten Blick auf eine schwerwiegende Verstopfung oder ähnliche Darmerkrankungen schließen lässt. Aber nein, keine Sorge: Unsere Selbstdarsteller erfreuen sich bester Gesundheit. Sie haben sich lediglich zu einem Leben als tiefgefrorenes Hühnchen entschieden. Tja, was solch ein Neubeginn manchmal mit sich bringt.:-) (Näheres unter Focus Online!)

Nun lästern sie doch nicht gleich! Ich meine… in Zeiten, in denen sich junge Frauen Stifte unter die Brüste klemmen, um das Netz von der Echtheit ihres sekundären Geschlechtsmerkmals zu überzeugen, folgt der Frozen Chook-Trend noch einem gewissen Niveau. Dieser entstand übrigens innerhalb einer durchzechten Partynacht, in deren Verlauf einige Neuseeländer mit Messer und Gabel ihren Freund verspeisten, da dieser offenbar eine Wette verloren hatte. Das Bild wurde natürlich vorher ins Internet geladen und signalisierte die Geburtsstunde einer neuen Ära.

Da es sich bei diesem Blog um ein etabliertes Forschungsprojekt handelt, mussten jedoch einige Analysen hinsichtlich dieses Internet-Phänomens durchgeführt werden. Die Pose des menschlichen Geflügels zeugt eindeutig von einem scheinbar unfreiwilligen Nudismus. Sie vergraben ihre Gesichter quasi im Erdboden und flehen geradezu nach jener Anonymität, die ihnen das Netz nicht gestattet. Auf psychologischer Bedeutungsebene konnte sich hingegen eine andere Erklärung bewähren: Demnach litten die Selbstdarsteller an chronischer Langeweile oder wollten dem toten Huhn gegenüber ihre Solidarität zum Ausdruck bringen.

Doch sogar dieser Trend birgt Gefahren. Ein Beispiel hat sich in einem Hotel bei Chickentown ereignet. Ein verwegenes junges Pärchen bestellte sich bei einem Nahrungsmittellieferanten ein Hähnchen süß-sauer aufs Zimmer. So kam es, dass der Hühnchenbote ein Verfechter von Frozen Chook war. Folglich entkleidete er sich nach seiner Ankunft und nahm die bekannte Pose ein, bevor die ausgehungerten Kunden die Tür zum Flur öffneten. Für den Mann kam jede Hilfe zu spät.

Tja, und was kommt nun? Auch Frozen Chook wird eines Tages vergeben und vergessen sein. Große Chancen auf einen Nachfolger hat jedenfalls das Hanging Pig. Dazu wird ein langer, fester Spieß oder etwa eine Wäscheleine in einem Raum aufgehängt, damit man sich dort oben nackt ausbreiten und Hände sowie Füße in Spanferkel-Manier nach unten baumeln lassen kann.

Hinweis: Dieser Artikel ist selbstverständlich Satire. So ziemlich alles, was hier geschrieben steht, ist nichts als hirnrissiger Blödsinn. Was hingegen real ist, lässt sich den verlinkten Websites entnehmen.

Aufgeklärt: Wie die „Kondom-Challenge“ wirklich funktioniert

Achtung: Dieser Beitrag ist Satire! Wenn Sie wirklich wissen möchten, wie Kondome angewandt werden, lesen Sie bitte die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!

Das Fest der Liebe steht vor der Tür. Ein guter Grund also, sich mit Kondomen zu beschäftigen.

Richtig, Kondome! Wozu werden sie noch gleich angewandt? Nun, das habe ich beim Konsum dieses lehrreichen Videos fast schon selbst vergessen. Dabei geht hieraus doch eindeutig hervor: Man benötigt sie zur Kondom-Challenge!!

*Seufz* Was ist nur mit dieser Welt geschehen? Gut, fassen wir es mal ganz objektiv zusammen: Jugendliche Menschen oder solche, die gerne noch jugendlich wären, füllen ein Kondom mit Wasser, um es sich dann in wechselseitigem Einverständnis über den Kopf flutschen zu lassen. Das aufgeplusterte Tütchen hüllt daraufhin das Gesicht des Opfers ein, als würde dieser einen überaus lächerlichen Astronautenhelm tragen. Diesen Akt zeichnet man mit Kamera, Webcam oder Smartphone auf und lädt ihn auf eine gängige Video-Plattform.

Tja. Nun frage ich mich: Warum? WARUUUUUUUUUM??????

Die Antwort ist ebenso simpel wie traurig: Die Jugend weiß heute schlichtweg nicht mehr, wozu Kondome eigentlich dienen. Natürlich ist dieser Blog für seine allgemeine Aufklärungsfunktion bekannt, sodass ich mich einfach mal um einen einigermaßen jugendfreien Erklärungsansatz bemühen werde.

PUNKT EINS: Prall gefüllt.

Im Video ist die Rede von einem „prall gefüllten Kondom“. Ich richte mich nun an Frauen sowie homosexuelle Männer, wenn ich sage: Ein „prall gefülltes Kondom“ ist auf jeden Fall ein SEHR GUTER ANSATZ. Allerdings sollte es NICHT mit Wasser gefüllt sein. Wasser ist flüssig und das Gegenteil von flüssig ist ja bekanntlich… Hm, fest? Nun gut, so kann man es benennen. Aber es gibt da noch ein Adjektiv, das den gesuchten Zustand etwas deutlicher beschreibt. Ihr wisst ja, wie das Leben ist, nicht wahr? Super, dann hätten wir diesen Aspekt ja schon mal geklärt.:-)

PUNKT ZWEI: Mit dem Kopf nur DENKEN!

Um ein Kondom ordnungsgemäß zu verwenden, sollte man sich konzentrieren. Der Kopf wird folglich zum Denken benötigt. Somit darf man sich das Kondom keineswegs über das besagte Verarbeitungszentrum stülpen. Es entspricht in seiner speziellen Ausführung vielmehr einem anderen Körperteil. Dabei handelt es sich um ein Organ, über das Frauen nicht verfügen und das man im Büro, in der Schule oder in Bus und Bahn meist sicher verwahrt hält. (Manche tun das auch nicht und wedeln stattdessen freudig damit herum. Solche Menschen werden als Exhibitionisten bezeichnet.) Und ja, die Rede ist von jenem Organ, das man in deutschen Filmen selten sichtet, in französischen Streifen dafür umso häufiger. Verstanden? Prima! Sollte kein Mann zugegen sein, spürt bitte zunächst einen auf! Und damit gelangen wir zu…

PUNKT DREI: Zwei an der Zahl.

Es muss ein Mann dabei sein, alles andere ist egal. Hierbei spielt jedoch das persönliche Interesse eine entscheidende Rolle. Als wichtig wird zudem erachtet, dass nicht mehr als zwei Personen anwesend sind. Ansonsten dürfte sich die Anwendung des Kondoms erschweren. Andererseits könnten weitere Personen durchaus als Zuschauer vor Ort sein, was wiederum ebenso vom persönlichen Interesse abhängig gemacht werden sollte.

PUNKT VIER: Höhepunkt der Sensation.

Sofern das Kondom sicher angebracht wurde, kann der Höhepunkt der Sensation erfolgen. Dies ist ein relativ simpler Vorgang. Man erinnere sich dabei an einen USB-Stick, der den passenden Anschluss benötigt. Das sollte heutzutage jeder verstehen. Allerdings ist es ein eher natürlicher als technischer Prozess und der USB-Stick muss sich zuvor einer Verwandlung unterziehen, um die ideale Gestalt anzunehmen.

PUNKT FÜNF: Man muss es nicht filmen!

Für die Netzjugend von heute mag es enttäuschend klingen, wenn ich sage: Man nimmt es nicht auf Video auf! Vielleicht werdet ihr nun fragen: Wo bleibt denn da der Spaß? Daraufhin werde ich antworten: Probiert es aus und ihr werdet womöglich zum ersten Mal in eurem Leben erfahren, was wirklich Spaß bereitet! Na gut, man kann es auch filmen, wenn man möchte. Man lädt es aber nicht auf YouTube hoch, sondern auf eine anders orientierte Videoplattform. Doch bevor dieser Upload durchgeführt werden darf, solltet ihr das 18. Lebensjahr erreicht haben. Sofern dies nicht der Fall ist, muss der Upload durch eine dritte Person getätigt werden. Zuvor müsst ihr jedoch eure Mutter um Erlaubnis bitten. Wenn sie euch nicht davon abhält, solltet ihr diese Situation zunächst dem Jugendamt schildern!

PUNKT SECHS: Keinen beliebigen Partner wählen!

Zum Abschluss solltet ihr außerdem bedenken, dass die WAHRE Kondomchallenge häufig von LIEBE abhängig ist. Falls ihr die Liebe ignoriert, kann das eventuell ungeahnte Konsequenzen mit sich bringen. Wenn ihr verliebt seid und euch in einer Beziehung befindet, solltet ihr die Kondomchallenge unbedingt mit eurem Lebensgefährten oder dem Objekt eurer Begierde durchführen und nicht etwa einen komplett anderen Challenge-Partner wählen.

Und wieder einmal hat dieser Blog seinen Bildungsauftrag im besten Sinne erfüllt!:-)

Erzwungene Sprachkonstrukte 2015: Der Smombie

Als bekennender Smegetarier (Smartphone-Nichtbesitzer!) faszinieren mich gewisse Entwicklungen ja durchaus. Deshalb möchte ich mich heute einem aktuellen Thema widmen.

Der Smombie wurde zum Jugendwort des Jahres 2015 ernannt!!! Beim Smombie handelt es sich übrigens nicht um einen Cocktail aus der Nerdkneipe von nebenan, sondern vielmehr um ein Abfallprodukt der deutschen Sprache, welches irgendwann vom Langenscheidt-Verlag erdacht wurde, damit dieser es fortan so darstellen kann, als würden es reale Jugendliche zwischen 15 und 21 Jahren tatsächlich verwenden – in ihrer geheimen Sprachzüchtungsanlage, in welcher zudem Begriffe wie das grammatikalisch absurde „läuft bei dir“ ihren Ursprung fanden. Smombie bezeichnet jedenfalls den allseits auffindbaren Smartphone-Zombie – also eine Gestalt, die ihren starren Blick stets auf ein Smartphone gerichtet hält.

Natürlich standen noch weitere unnütze Vokabeln zur Option: So etwa der Alpha-Kevin, der allerdings kurzfristig verhindert war, da er die minder populäre Beta-Jaqueline zu ehelichen gedachte. Auch „Merkeln“ stand zur Debatte, doch die Anwälte der Bundeskanzlerin waren den Sprachakrobaten aus dem Hause Langenscheidt leider überlegen.

Besagte Mülldeponie der deutschen Jugendsprache hat außerdem das bekannte YOLO adoptiert. Und YOLO zählt definitiv zu diesen Wörtern… gut, lassen Sie es mich milde formulieren: YOLO ist eines dieser Wörter, die nicht ganz zu Unrecht Aggressionen hervorrufen. Ehrlich gesagt schlage ich gerade selbst auf mich ein, weil ich diese unter Drogeneinfluss entworfene Hipster-Lebensweisheit nun schon zum dritten Mal in diesem Artikel erwähnt habe. Wenn ich hiermit fertig bin, muss ich wohl einige Schmerztabletten konsumieren.

Nun… Smombie! Wie man darauf gekommen ist? Keine Ahnung. Immerhin spiegelt dieses Unwort die jugendliche Realität ziemlich exakt wider. Man muss nur mit einem Dutzend Schülern zusammen in einem Bus fahren, um dies zu erkennen. Meine journalistische Wissbegier jedoch hat mich zum Einbru…. äh, Besuch im Wortschatz-Archiv des Langenscheidt-Verlags animiert. Somit konnte ich einen Blick auf eine ellenlange Liste von Begrifflichkeiten werfen, die dem „Smombie“ durchaus ähnlich sind. Nachfolgend möchte ich euch eine kleine Auswahl davon präsentieren:

Smampe: Smartphone-Schlampe. Sie lädt aufreizende Profilbilder auf Facebook hoch und erledigt dies logischerweise von ihrem Smartphone. Somit ist sie jederzeit und überall zu neuem Schlampentum bereit.

Smoser: Smartphone-Loser. Er besitzt ein Smartphone, ansonsten aber rein gar nichts.

Smoll: Smartphone-Troll. Er benutzt sein Smartphone, um Plattformen wie Youtube oder Twitter anzusurfen und dort mit provokativen oder beleidigenden Bemerkungen Unruhe zu stiften.

Smulmädchen: Smartphone-Schulmädchen. Über „What’s App“ kommuniziert es meist mit anderen Smulmädchen. Dabei werden Herzchen im Übermaß verwendet.

Smurist: Smartphone-Jurist. Er versucht Leuten gerne mit rechtlichen Fragen zu helfen, indem er schnell über Wikipedia die Rechtslage herausfindet.

Smimulant: Smartphone-Simulant. Er geht niemals zum Arzt, nimmt aber ständig Beschwerden wahr, nach denen er googelt, um schließlich herauszufinden, dass er an einer bestimmten Krankheit leidet – oder sogar an mehreren zugleich.

Rüssel muss mal kurz – oder die schlechtesten Werbefilme aller Zeiten

Wie Sie vielleicht wissen, wurde dieser Blog einst ins Leben gerufen, um die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele im Internet aufzudecken. Es versteht sich von selbst, dass ich diesen Werbefilm von den Meisterarchitekten öffentlicher Bezahltoiletten nicht ignorieren kann. Sie sollten ihn sich zunächst unbedingt ansehen: Vorsicht, Gehirnwäsche!

Haben Sie ihn gesehen? Wirklich?

Würden Sie auch aus dem 7. Stockwerk eines Hauses springen, wenn ich Sie darum bitten würde? Ach ja, ich bin wahrhaftig ein Manipulationsgenie!

Fassen wir also zusammen: Im Sanifair-Imagefilm flaniert die etwa zwölfjährige Amelie (Zauberhafte Welt der Amelie, ist klar! Ich kann nicht oft genug AUTSCH schreien!) durch eine hochwertig ausgestaltete Piss- und Kackumgebung. Ganz selbstverständlich zückt sie dabei die Kreditkarte von Papa, weil dieser natürlich nichts Besseres damit anzufangen weiß, als die Tochter mit ihrem „Rüssel“ zum Pinkeln zu schicken. (Für diesen Satz haue ich mich bereits selbst!) Amelie wird von der Firma Pee Five… äh, Pie Five, welche dieses Machwerk verbrochen hat, als charmant beschrieben. Eigentlich empfand ich ihre gesamte Präsenz eher als gruselig: Die junge sommersprossige Dame mustert uns mit ihren durchdringenden blauen Augen, als wäre Sie zuvor von Sanifair-Reinigungskräften hypnotisiert worden. So läuft sie mit einem breiten Grinsen und einer „Schnappi, das kleine Krokodil“- Gedächtnisstimme durch die Anlage und darf Sprüche aufsagen, für die sie mit Sicherheit noch oft in der Schule gemobbt werden wird. (Und das sollten Erwachsene, die solche Drehbücher schreiben, eigentlich selbst erkennen!) Apropos Sprüche: Ich möchte mir an dieser Stelle die Zeit nehmen, einige von Amelies geistreichen Sätzen liebevoll zu kommentieren:

„Das Bezahlen geht ja voll leicht!“
Noch leichter könnte es sein, wenn man fürs Pinkeln gar nicht erst bezahlen müsste.

„Ich kann sogar mit Papas Kreditkarte zahlen. Und mit seinem Handy funktioniert es sogar auch noch.“
Frage: Hast du zufällig auch Papas Personalausweis im Gepäck? Seinen Ehering? Seinen feinen Anzug? Seine Aktienfonds? Sein Schwarzgeld? Sein Viagra?

[Herrentoilette:] „Ups, hier bin ich falsch!“
Wieso? Du hast doch deinen „Rüssel“ dabei! *schenkelklopf*

„Oooh, ist das schön hier!“
Jetzt wissen wir alle, wohin du dich später mit den großen Jungs verziehst, wenn du mal 17 bist. Was ist schon ein langweiliges Himmelbett gegen ein Sanifair-Wohlfühlparadies?

„Und was jetzt passiert, ist reine Magie!“
Magie – Made in Japan, um genau zu sein!

„Rüssel muss mal kurz!“
*Prust* OK, sorry, ich geh mal eben zum Lachen in den Keller!
Alles klar, geht wieder!

„Mmmh, das riecht frisch!“
Mädchen, man hält die Finger UNTER das Wasser, wenn man sie waschen will!

„Oh Rüssel! Nichts passiert!“
Von den dekorativen Bakterien, die sich Rüssel auf dem Fußboden zugezogen hat, mal abgesehen.

Aber lassen wir Amelie nun mal aus und vor! Sie ist nur ein armes Kind, dessen Eltern es zulassen, dass sie sich als trauriges Fremdschämobjekt zur Schau stellen lässt. In Wirklichkeit heißt sie zudem mit Sicherheit nicht Amelie, sondern vielleicht Jaqueline, Chantalle oder Estefania.

Zumindest wissen Sie nun, dass Ihr Geld, das Sie in jenen sanitären Anlagen verschleudern, in ominöse Online-Werbefilme angelegt wird. Also denken Sie besser daran, falls wieder einmal die Natur ruft. Eventuell ziehen Sie dann eher den nächsten Luxus-Park, einen Märchenwald oder eine paradiesische Seitengasse vor? Jedenfalls sollten Sie sich nicht darauf versteifen, dass die Sanifair-Toiletten in Ihrer Nähe ebenso frisch gereinigt sind, wie das utopische Vorbild aus dem Imagefilm. Da sollte man vielleicht nicht gerade mit „Rüssel“ den Boden wischen. (Urgs, jetzt fängt der Wortspiel-Schwachsinn schon wieder an!)

Selfie-Richtlinien

Kommen wir heute auf ein altes Thema zurück!

Die Zahl der Selfie-Toten hat in den vergangenen Jahren dermaßen zugenommen, dass wohl langsam von einer Pandemie gesprochen werden muss. Russland hat sich bereits als Selfie-Kulturstaat etabliert. Der Ursprung des Übels ist also kein Geheimnis mehr. Und was unternimmt Russland nun gegen diese Plage?

Verhütung ist wichtig! Das gilt auch für Sex mit Unbekannten. Deshalb hat sich der Begriff Safer-Sex in unser Bewusstsein eingebrannt. Aber dieser Artikel handelt von Russland, DEM Vorreiter einer neuen, vollkommen auf sich selbst bezogenen Generation. Und jetzt mal ehrlich: Wer hat dort schon noch Sex? Sex ist doch so 1999!

Somit erfolgt nun allmählich der Übergang vom Safer-Sex zum Safer-Selfie. Russland hat erste Richtlinien erstellt, in welchen Situationen man aufgrund von akuter Lebensgefahr keine Selfies machen darf.

Die „Welt“, jenes journalistische Wunderblatt, dem nun auch Helmut Kohl sein neues Zombie-Dasein zu verdanken hat, berichtet: Selfie-Sucht – zu viele sterben bei Selbstinszenierung.

Leider handelt es sich bloß um eine sehr grobe Darstellung des zuständigen Ministers. So fehlt zum Beispiel das Selfie beim Sitzen auf der Toilettenschüssel. Dabei könnte man nämlich versehentlich die Spülung betätigen und hinuntergesaugt werden. Besonders gefährdet sind hierbei russische Magermodels. Aber genug davon! Aufzählungen von Risikofaktoren gab es ja schon in einem älteren Beitrag.

Natürlich verhütet man mit Safer-Selfies lediglich den bevorstehenden Tod oder auch ähnlich unbeliebte Zustände, wie die Querschnittslähmung oder das Koma. Bislang ist jedenfalls nicht erwiesen, dass Selfies zu Schwangerschaften führen. Bekannt ist nur, dass aus der Mode gekommene Analog- oder Polaroid-Kameras im Zweifelsfall Fotografien austragen können. Smartphones hingegen können im Prinzip gar nichts. Außer Apps dazu programmieren, irgendwelche verrückten Dinge zu tun.

Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass durch Selfies Kinder entstehen. Dementsprechend geht die Geburtenrate zurück, da Selfies ja nun einmal den Sex verdrängen. Im Endeffekt kann EINE Sache also nicht verhütet werden, nämlich dass das Selfie das Aussterben der Menschheit zur Folge hat. In diesem Sinne: Hi Selfie! Tschüss Menschheit!

Jürgen Domian und das böse Internet

Warnung: Dieser Artikel ist vulgär! Lesen Sie ihn nicht vor den Augen Ihres Chefs!

Vor einigen Tagen erfuhren wir, dass Domian sich offiziell zum Sonnenlicht bekannt hat – ein guter Plan, der sich sicherlich positiv auf seine Gesundheit auswirken wird. Blöd nur, dass seine Sendung erst im Dezember 2016 endet – ein ungünstiger Zeitpunkt, sofern man um die Gunst der warmen Sonnenstrahlen werben möchte. Wie auch immer: Einige von euch haben vermutlich noch nie von Domian gehört. In diesem Fall wisst ihr wahrscheinlich auch nicht, was „dieses Internet“ sein soll (Stichwort Neuland!) und geht Zeit eures Lebens pünktlich um 22 Uhr schlafen. Das hat bestimmt seine Vorteile, denn das Internet ist böse und in der Nacht werden bloß Pornos gesendet, welche natürlich ebenfalls böse sind. Den einzigen Lichtblick stellte bislang der Telefon-Talk Domian dar. Es war seither der Rummelplatz für Leute, die ihre schmutzigen Fantasien teilen wollten – nicht mit Pseudofreunden aus sozialen Netzwerken, sondern vielmehr mit dem nunmehr prominentesten Jürgen aller Zeiten – dem Jürgen Domian.

Nun hat der 1995 in sein überschaubares Fernsehstudio hineingeborene Domian eine sehr lange Historie vorzuweisen. Ich versuche nun, den Zeitgeist an einigen Beispielen zu verdeutlichen: Mitte der Neunziger lauteten die Titel der Themensendungen* in etwa folgendermaßen: „Mein Pimmel bestimmt mein Leben“, „Heitere Pimmelgeschichten“, „Mit Pimmel wär ich glücklicher“ sowie „Ich ehre meinen Pimmel Tag für Tag“. In der heutigen Zeit hingegen melden sich die Anrufer eher zu recht allgemein gefassten Schwerpunkten: „Ich bin furchtbar einsam“, „Beim Spaziergang passiert“, „Meine Sexualität ist seltsam“ oder „Ich führe ein Leben abseits von Domian“. Kurzes Fazit: In den Anfängen der Domian’schen Schaffensperiode verhielt sich die Redaktion wesentlich kreativer und besann sich auf abwechslungsreichere Themenkost. Nun ist Domian definitiv ein dufter Typ, der weiß, worauf es im Leben ankommt. Wenn er seine Zuschauer und Zuhörer etwa auf ein anstehendes Thema vorbereitet, lässt er sich gerne zu seinen legendären Ausschweifungen verführen. Greifen wir als Beispiel die Sendung „Beim Spaziergang passiert“ auf und lesen uns genau durch, wie der gewitzte Moderator uns diese Ankündigung schmackhaft machen will:

„Das Thema für unsere Sendung am Mittwoch heißt: Beim Spaziergang passiert. Gerne möchte ich mich mit Leuten unterhalten, die leidenschaftlich ihre täglichen Spaziergänge pflegen. Ich möchte auch mit solchen Leuten reden, die einen besonderen Fetisch haben, bei dem Spaziergänge eine wesentliche Rolle spielen. Oder vielleicht habt ihr ja schon mal während eines Spaziergangs euren Partner betrogen? Seid ihr vielleicht im Verlauf eines Spaziergangs in eine Gangbang-Party abgerutscht und hattet plötzlich wilden Spaziergangsex?“

Ich schätze, ihr habt verstanden, was ich euch sagen wollte.

Doch Domian ist ja unlängst nicht einfach nur Domian. Domian ist mittlerweile vom tabulosen Radio- und TV-Tabubrecher zum Internetkult aufgestiegen. Die Fanpage nachtlager.de hat einst die schrägsten Anrufer einer längst vergangenen Generation für uns archiviert und heute übernimmt wohl zunehmend YouTube (*seufz*) diese Angelegenheit. Dilstil und weitere Helden einer unsterblichen Domian-Fangemeinde, aber auch die Domian-Redaktion selbst versorgt uns in diesen Tagen mit kompletten Sendungen sowie pikanten Ausschnitten, die teils noch aus der klassichen Domian-Ära stammen. Darunter finden sich außerdem amüsante Fundstücke, wie die versehentlich — Coca Cola-Flasche oder der verunglückte Versuch, Domian zu „rickrollen“. (Ein wahrer Netzgesang!)

Und damit sind wir wieder einmal in den finsteren Ecken des World Wide Webs angelangt. Die Kommentatoren unterhalb der YouTube-Videos sowie die Verfasser der Live-Tweets auf Twitter haben die Sendung mit Bravour in den Dreck gezogen. Hier wimmelt es von intoleranten Bemerkungen und ewigem Besserwissertum – Anrufer werden beleidigt und in den unpassendsten Momenten ins Lächerliche gezogen. Überspitztes Beispiel gefällig: „Och ne, schon wieder hat jemand Krebs. Soll er doch verrecken, während ich mir selbst ein paar Crepes hole.“ Bedauerlicherweise hat sich aus diesem kranken Scheiß unlängst ein regelrechter Trend entwickelt. Ebenfalls verachte ich jene Leute, die bei jedem zweiten Gespräch „Fake!“ schreien müssen – weil besagte Sorte überhaupt keine Ahnung vom Leben hat und deshalb jegliche Eigenarten der Menschen verleugnet. Bei Peter, Ingrid und den Schnittchen kann man da geteilter Meinung sein – doch  ob Fake oder nicht, grandios ist es zweifellos.

Zeichnet die netzweite Bosheit und Dummheit also letztlich für das Ende von Domian verantwortlich? Vermutlich nicht. Aber ich schätze, dass jene besondere Qualität, die Domian in den 90ern und im Jahrzehnt der Nullen ausgezeichnet hat, an einer Internet-Überdosierung gelitten hat. Denn als das Internet von Tag zu Tag schwärzer wurde, veränderte sich zudem das Format: Themensendungen wurden langweiliger, die Anrufer uninteressanter und anstelle von zehn Telefonaten pro Stunde, schafft man heute noch maximal die Hälfte. Kurz, bündig und spannend war einst die Devise, der ich heute stark nachtrauere. Außerdem ist es toll, wenn Domian „Pimmel“ sagt. Aber das nur am Rande!

In diesem Sinne wünsche ich dem großartigsten Jürgen aller Zeiten eine entspannte wie aufregende Domian-Restzeit!

* Dieser Beitrag ist übrigens Satire. Deshalb wurden die Titel der Themensendungen sowie das Domian-Zitat frei erfunden.

Das letzte Weihnachten endet leider nie!

Da ist sie wieder: Die Weihachtszeit. Ruhig, besinnlich und kommerziell. Na gut, das wäre gelogen. Sagen wir: Kommerziell, stressig und laut. Dabei könnte sie ganz harmlos verlaufen – gäbe es nicht diesen fetten, wohlgenährten Wurm, der penetrant in unsere Ohren kriecht – obgleich er da eigentlich nicht erwünscht ist.

„Last Christmas“. Bei etlichen noch so besonnenen Bürgern schrillen bei diesem Stichwort nicht etwa die Weihnachts-, sondern vielmehr die Alarmglocken. Und ich gedenke mich nicht mit dem Text des besagten Pop-Klassikers zu befassen, denn den kennt ohnehin keiner. Man erinnert sich nur, dass die erste Zeile mit „Heart“ endet – und eine andere mit „very next day“. Tatsächlich interessiert uns der nächste Tag hierbei verhältnismäßig wenig. Stattdessen wundern wir uns stets aufs Neue darüber, dass letztes Weihnachten gar nicht das letzte Weihnachten war – denn das nachfolgende Weihnachtsfest findet ja doch statt und somit werden wir erneut von feindlichen Radiofrequenzen heimgesucht.

Längst ist „Last Christmas“ als ernsthafte Bedrohung anerkannt. Das unsägliche Kitschgeträller trage auf Dauer zur Hirntötung bei, so der Gesundheitsminister. Man munkelt, dass die Polizei inzwischen eine Razzia bei den Betreibern der illegalen Internetplattform „Wham“ organisiert hat. Zwecklos scheint hingegen die Bemühung, die Gefahr zu bannen und im Kern zu ersticken. Weitere Gerüchte handeln von einer weihnachtlichen Monopolbildung. Zweifelhafte Quellen (also „Last Christmas“-Sympathisanten!) berichten, dass „Wham“ Coca-Cola die Rechte am Weihnachtsmann abgekauft haben könnte. Denken Sie besser daran, wenn Sie das nächste Mal vor die legendäre Entscheidung „Coke oder Pepsi“ gestellt werden! Doch wie entrinnt man nun diesem häufig in audiovisueller Form auftretenden Spuk? Eigentlich scheint es nahezu vergeblich. Andererseits erproben gerissene „Last Christmas“-Gegner bereits den Selbstversuch: Sie begehen leichtere kriminelle Straftaten, um bis zum Ende der Weihnachtszeit in Einzelhaft verbringen zu dürfen. Manchmal misslingt der Plan und man muss mit einer Zwangs-Wohngemeinschaft vorliebnehmen. Trifft man dort auf besonders hartgesottene Ganoven, werden diese unter Umständen das Radio einschalten und ihren neuen Zellengenossen mit einer Extraportion „Last Christmas“ foltern! Vielleicht ersparen Sie sich also unnötigen Ärger und feiern einfach Weihnachten – zum Beispiel zu Samba-Musik in der Karibik.

*** In diesem Sinne frohe Weihnachten!  ***

Hinweis: Dieser Beitrag ist als Satire zu verstehen. Die genannten Fakten entsprechen keiner mir bekannten Wahrheit – es sei denn, sie stammt aus einem mir bislang unbekannten Paralleluniversum, in welchem ich nicht leben möchte.

Das Selfie als Todesursache – ein Ratgeber

Dass im Leben nicht immer alles wie geplant verläuft, hat der Mexikaner Óscar Otero Aguilar jüngst eindrucksvoll aufgezeigt. Der kreative Facebook-Narzisst verstarb nämlich auf tragische Weise, wie die BILD-Zeitung in ihrer unter Umständen seriös anmutenden Rubrik „Hot aus dem Netz“ berichtet. So gedachte der junge Erwachsene lediglich ein Selfie aufzunehmen, das ihn mit einer Pistole an der Schläfe darstellt. Irgendwie gerieten seine unruhigen Finger dabei jedoch an den Abzug und verpassten ihm kurzerhand einen Kopfschuss. Aber das sind nun einmal die Gefahren des 21. Jahrhunderts: Wer sich korrekt präsentieren und von der viel zu breiten Masse abheben will, der muss stets ein neues, interessantes Selfie im Ärmel haben. Dabei wird leider zunehmend vergessen, wie schnell besagtes Meme zum Tod ohne Testament (kurz ToT) führen kann. Aus diesem Grunde habe ich einen Ratgeber entworfen, der all den begabten Selfish-Fotografen da draußen als lebensverlängernde Maßnahme dienen könnte. Folgende Auswüchse der digitalen Selfie-Renaissance sollten im Idealfall vermieden werden:

Selfie mit Wespe auf Zunge: Allergiker, die mit dem Feinde auf der Zunge posieren, weil dieser Platz als optimale Aussichtsplattform für das gesellig dreinblickende Insekt erkannt wurde, seien hiermit gewarnt! Das Wespen-Selfie ist, wie einschlägige Trendmagazine berichten, längst im europäischen Raum angekommen.

Piraten-Selfie: Wenn eine Hand die Kamera/Smartphone und die andere den Säbel umfasst, ist man zwar bereits im Herzen ein echter World Wide Web-Freibeuter, doch womöglich werden dessen Facebook-Freunde niemals in den Genuss des charakterstarken und lasterhaften Porträts gelangen. Denn sobald die Spitze des karibischen Brotmessers die Handschlagader des Kamera-Arms streift, kann eine unverhoffte Verletzung auftreten, die sogar mit dem Tode enden kann – und das, wo wahre Piraten bekanntermaßen in einem heroischen Schwertkampf ihr Leben lassen müssen.

Selfie mit Zigarette und Benzinkanister: An Tankstellen hat sich dieses Selfie durchaus bewährt. Hierbei kann allerdings eine physikalische Kettenreaktion durch die Verbindung der Elemente Feuer und Benzin verursacht werden. Zur Information: Eine brennende Zigarette beinhaltet ebenfalls Feuer.

Selfie mit Entführer: Viele Menschen kennen diese suboptimale Situation: Sie wurden unter Einfluss harter Gewalt verschleppt und vielleicht wird sogar ein kleines Lösegeld gefordert, das mit ziemlicher Sicherheit keiner ihrer Facebook-Kontakte freiwillig zahlen würde. Nutzt man die Gunst der Stunde um ein heiteres Selfie zu produzieren, während man vor seinem Kidnapper steht, könnte dieser eventuell aggressiv werden und sämtliche Waffen zum Einsatz bringen. Deshalb sollte man dabei vorzugsweise HINTER dem Entführer stehen.

Ihr habt noch mehr riskante Selfies auf Lager? Dann schreibt mir, damit ich eines Tages ein fünfhundertseitiges Sachbuch zu diesem Themenschwerpunkt herausgeben kann.

Happiness erreicht Wiesbaden???

Eigentlich hatte mein Tag recht solide begonnen – keine beachtlichen Ereignisse, aber auch keine traumatischen Erlebnisse. Ich surfte gerade ziel- und ebenso ahnungslos im Internet und… ja, ich bin über web.de auf diesen Link geraten. Und ja, web.de ist tiefstes Boulevard-Niveau, das gebe ich zu. Trotzdem habe ich dort noch eine alte Mailbox registriert, in die praktisch keine 20 E-Mails passen, und ab und zu finde ich auf der Startseite äußerst unterhaltsame Artikel, mit denen ich daraufhin gerne andere Leute belustige. Doch ich schweife ab: An diesem wohl unheilschwangeren oder zumindest frisch unheilgeschwängertem Vormittag verschreckte mich der folgende Schriftzug: „Der Happy-Trend erreicht Wiesbaden.“

Mein erster Gedanke war:

WTF????

Mein zweiter Gedanke war:

Was bitte sehr ist ein „Happy-Trend“? (Und sind die Menschen heutzutage nur noch happy, wenn das gerade im Trend ist???)

Auch der dritte Gedanke ließ nicht lange auf sich warten:

Kann man sich dagegen schützen? (Ich hätte fast meinen Hausarzt kontaktiert um in Erfahrung zu bringen, ob meine Zecken-Impfung den „Happy-Trend“ mit abdeckt.)

Genug davon! Es lässt sich nicht verleugnen, dass meine Gedanken durch diese Schlagzeile ziemlich durcheinander gerieten. Sie spielten in meinem Gehirn irgendeine 3D-Flipper-Variante nach (wie sie in den 90ern so populär waren!), womit sie mir gewaltige Kopfschmerzen bescherten. Das hinter dem Link versteckte Video musste ich schließlich als ernstzunehmende Dokumentation betrachten: Die darin agierenden Bewohner der hessischen Landeshauptstadt zappelten auf eine außerordentlich kiffige Weise herum, als wären sie tatsächlich mit einer bisweilen unerforschten Art der Tollwut infiziert worden. Überträger dieser Krankheit war allerdings nicht der Fuchs, der ja seit dem kreativen YouTube-Hit des vergangenen Jahres selbst ein begnadeter Tänzer ist, sondern so ein Mann namens Pharell Williams, der offensichtlich das im Hintergrund dudelnde Musikstück zu verschulden hat. Ganz ehrlich: Es mag meine absolut subjektive Meinung sein, aber dieses nie zuvor von mir vernommende Liedgut entspricht nicht exakt meinem Geschmack. Und um etwas direkter zu werden: Ich fragte mich zu jenem Zeitpunkt, wie dieser Song die Leute happy machen kann, wo er bei mir lediglich heftige Aggressionen auslöst. Und ich möchte nicht näher darauf eingehen, wie sinnfrei der Text hinter dem gammelig-chillig erklingenden Happy-Gedöns ist.

Eigentlich gedenke ich mich an dieser Stelle über die damit verbundene Choreografie auszulassen: Über den Gangnam Style konnte ich noch lachen und den Harlem Shake kenne ich bloß vom Namen her, weil dieser irgendwie komplett an mir vorüberging. Doch zu dieser Ausgeburt der Tanzfreudigkeit fällt mir ehrlich gesagt überhaupt nichts mehr ein. Ich wüsste gar nicht, wie ich es beschreiben sollte. Es ist… tja, wie soll ich das jetzt formulieren? Vielleicht sollte ich es schlichtweg als klischeehaft bezeichnen. Die Reportage aus Wiesbaden zeigt, dass man den Titel des Links tatsächlich als Drohung wahrnehmen sollte. Leider bin ich immer wieder gezwungen in diesem Blog das Wort Epidemie (oder Pandemie?) zu verwenden, nur wenn ich solche Artikel lese, dann stellt sich in meinem Kopf eben diese Assoziation ein.

Wie soll ich diesen Bericht nun abschließen? Ich habe da schon eine Idee. Lasst mich an das Symptom der Happiness appellieren! Brauchen wir wirklich einen Musiker, der einen YouTube-Trend in die Welt setzt, um fröhlich zu sein? Und können wir in der Disco oder auch im sonnigen Stadtpark nicht einfach unsere ganz individuellen Tänze performen, anstatt uns wie eine Happy-Sekte zu verhalten, die permanent einen vorgegebenen Rhythmus imitiert um sich geil zu fühlen? Ich für meinen Fall tanze gerne – aber ich tue es nach freiem Willen und ohne mich dabei an ein Vorbild zu klammern. Das mag in manchen Augen eher peinlich, als cool aussehen – dennoch stehe ich dazu. Und selbst wenn das eine Nummer zu kitschig erscheint: Happiness kommt aus dem Herzen – nicht aus dem Internet!