Happiness erreicht Wiesbaden???

Eigentlich hatte mein Tag recht solide begonnen – keine beachtlichen Ereignisse, aber auch keine traumatischen Erlebnisse. Ich surfte gerade ziel- und ebenso ahnungslos im Internet und… ja, ich bin über web.de auf diesen Link geraten. Und ja, web.de ist tiefstes Boulevard-Niveau, das gebe ich zu. Trotzdem habe ich dort noch eine alte Mailbox registriert, in die praktisch keine 20 E-Mails passen, und ab und zu finde ich auf der Startseite äußerst unterhaltsame Artikel, mit denen ich daraufhin gerne andere Leute belustige. Doch ich schweife ab: An diesem wohl unheilschwangeren oder zumindest frisch unheilgeschwängertem Vormittag verschreckte mich der folgende Schriftzug: „Der Happy-Trend erreicht Wiesbaden.“

Mein erster Gedanke war:

WTF????

Mein zweiter Gedanke war:

Was bitte sehr ist ein „Happy-Trend“? (Und sind die Menschen heutzutage nur noch happy, wenn das gerade im Trend ist???)

Auch der dritte Gedanke ließ nicht lange auf sich warten:

Kann man sich dagegen schützen? (Ich hätte fast meinen Hausarzt kontaktiert um in Erfahrung zu bringen, ob meine Zecken-Impfung den „Happy-Trend“ mit abdeckt.)

Genug davon! Es lässt sich nicht verleugnen, dass meine Gedanken durch diese Schlagzeile ziemlich durcheinander gerieten. Sie spielten in meinem Gehirn irgendeine 3D-Flipper-Variante nach (wie sie in den 90ern so populär waren!), womit sie mir gewaltige Kopfschmerzen bescherten. Das hinter dem Link versteckte Video musste ich schließlich als ernstzunehmende Dokumentation betrachten: Die darin agierenden Bewohner der hessischen Landeshauptstadt zappelten auf eine außerordentlich kiffige Weise herum, als wären sie tatsächlich mit einer bisweilen unerforschten Art der Tollwut infiziert worden. Überträger dieser Krankheit war allerdings nicht der Fuchs, der ja seit dem kreativen YouTube-Hit des vergangenen Jahres selbst ein begnadeter Tänzer ist, sondern so ein Mann namens Pharell Williams, der offensichtlich das im Hintergrund dudelnde Musikstück zu verschulden hat. Ganz ehrlich: Es mag meine absolut subjektive Meinung sein, aber dieses nie zuvor von mir vernommende Liedgut entspricht nicht exakt meinem Geschmack. Und um etwas direkter zu werden: Ich fragte mich zu jenem Zeitpunkt, wie dieser Song die Leute happy machen kann, wo er bei mir lediglich heftige Aggressionen auslöst. Und ich möchte nicht näher darauf eingehen, wie sinnfrei der Text hinter dem gammelig-chillig erklingenden Happy-Gedöns ist.

Eigentlich gedenke ich mich an dieser Stelle über die damit verbundene Choreografie auszulassen: Über den Gangnam Style konnte ich noch lachen und den Harlem Shake kenne ich bloß vom Namen her, weil dieser irgendwie komplett an mir vorüberging. Doch zu dieser Ausgeburt der Tanzfreudigkeit fällt mir ehrlich gesagt überhaupt nichts mehr ein. Ich wüsste gar nicht, wie ich es beschreiben sollte. Es ist… tja, wie soll ich das jetzt formulieren? Vielleicht sollte ich es schlichtweg als klischeehaft bezeichnen. Die Reportage aus Wiesbaden zeigt, dass man den Titel des Links tatsächlich als Drohung wahrnehmen sollte. Leider bin ich immer wieder gezwungen in diesem Blog das Wort Epidemie (oder Pandemie?) zu verwenden, nur wenn ich solche Artikel lese, dann stellt sich in meinem Kopf eben diese Assoziation ein.

Wie soll ich diesen Bericht nun abschließen? Ich habe da schon eine Idee. Lasst mich an das Symptom der Happiness appellieren! Brauchen wir wirklich einen Musiker, der einen YouTube-Trend in die Welt setzt, um fröhlich zu sein? Und können wir in der Disco oder auch im sonnigen Stadtpark nicht einfach unsere ganz individuellen Tänze performen, anstatt uns wie eine Happy-Sekte zu verhalten, die permanent einen vorgegebenen Rhythmus imitiert um sich geil zu fühlen? Ich für meinen Fall tanze gerne – aber ich tue es nach freiem Willen und ohne mich dabei an ein Vorbild zu klammern. Das mag in manchen Augen eher peinlich, als cool aussehen – dennoch stehe ich dazu. Und selbst wenn das eine Nummer zu kitschig erscheint: Happiness kommt aus dem Herzen – nicht aus dem Internet!

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