Jürgen Domian und das böse Internet

Warnung: Dieser Artikel ist vulgär! Lesen Sie ihn nicht vor den Augen Ihres Chefs!

Vor einigen Tagen erfuhren wir, dass Domian sich offiziell zum Sonnenlicht bekannt hat – ein guter Plan, der sich sicherlich positiv auf seine Gesundheit auswirken wird. Blöd nur, dass seine Sendung erst im Dezember 2016 endet – ein ungünstiger Zeitpunkt, sofern man um die Gunst der warmen Sonnenstrahlen werben möchte. Wie auch immer: Einige von euch haben vermutlich noch nie von Domian gehört. In diesem Fall wisst ihr wahrscheinlich auch nicht, was „dieses Internet“ sein soll (Stichwort Neuland!) und geht Zeit eures Lebens pünktlich um 22 Uhr schlafen. Das hat bestimmt seine Vorteile, denn das Internet ist böse und in der Nacht werden bloß Pornos gesendet, welche natürlich ebenfalls böse sind. Den einzigen Lichtblick stellte bislang der Telefon-Talk Domian dar. Es war seither der Rummelplatz für Leute, die ihre schmutzigen Fantasien teilen wollten – nicht mit Pseudofreunden aus sozialen Netzwerken, sondern vielmehr mit dem nunmehr prominentesten Jürgen aller Zeiten – dem Jürgen Domian.

Nun hat der 1995 in sein überschaubares Fernsehstudio hineingeborene Domian eine sehr lange Historie vorzuweisen. Ich versuche nun, den Zeitgeist an einigen Beispielen zu verdeutlichen: Mitte der Neunziger lauteten die Titel der Themensendungen* in etwa folgendermaßen: „Mein Pimmel bestimmt mein Leben“, „Heitere Pimmelgeschichten“, „Mit Pimmel wär ich glücklicher“ sowie „Ich ehre meinen Pimmel Tag für Tag“. In der heutigen Zeit hingegen melden sich die Anrufer eher zu recht allgemein gefassten Schwerpunkten: „Ich bin furchtbar einsam“, „Beim Spaziergang passiert“, „Meine Sexualität ist seltsam“ oder „Ich führe ein Leben abseits von Domian“. Kurzes Fazit: In den Anfängen der Domian’schen Schaffensperiode verhielt sich die Redaktion wesentlich kreativer und besann sich auf abwechslungsreichere Themenkost. Nun ist Domian definitiv ein dufter Typ, der weiß, worauf es im Leben ankommt. Wenn er seine Zuschauer und Zuhörer etwa auf ein anstehendes Thema vorbereitet, lässt er sich gerne zu seinen legendären Ausschweifungen verführen. Greifen wir als Beispiel die Sendung „Beim Spaziergang passiert“ auf und lesen uns genau durch, wie der gewitzte Moderator uns diese Ankündigung schmackhaft machen will:

„Das Thema für unsere Sendung am Mittwoch heißt: Beim Spaziergang passiert. Gerne möchte ich mich mit Leuten unterhalten, die leidenschaftlich ihre täglichen Spaziergänge pflegen. Ich möchte auch mit solchen Leuten reden, die einen besonderen Fetisch haben, bei dem Spaziergänge eine wesentliche Rolle spielen. Oder vielleicht habt ihr ja schon mal während eines Spaziergangs euren Partner betrogen? Seid ihr vielleicht im Verlauf eines Spaziergangs in eine Gangbang-Party abgerutscht und hattet plötzlich wilden Spaziergangsex?“

Ich schätze, ihr habt verstanden, was ich euch sagen wollte.

Doch Domian ist ja unlängst nicht einfach nur Domian. Domian ist mittlerweile vom tabulosen Radio- und TV-Tabubrecher zum Internetkult aufgestiegen. Die Fanpage nachtlager.de hat einst die schrägsten Anrufer einer längst vergangenen Generation für uns archiviert und heute übernimmt wohl zunehmend YouTube (*seufz*) diese Angelegenheit. Dilstil und weitere Helden einer unsterblichen Domian-Fangemeinde, aber auch die Domian-Redaktion selbst versorgt uns in diesen Tagen mit kompletten Sendungen sowie pikanten Ausschnitten, die teils noch aus der klassichen Domian-Ära stammen. Darunter finden sich außerdem amüsante Fundstücke, wie die versehentlich — Coca Cola-Flasche oder der verunglückte Versuch, Domian zu „rickrollen“. (Ein wahrer Netzgesang!)

Und damit sind wir wieder einmal in den finsteren Ecken des World Wide Webs angelangt. Die Kommentatoren unterhalb der YouTube-Videos sowie die Verfasser der Live-Tweets auf Twitter haben die Sendung mit Bravour in den Dreck gezogen. Hier wimmelt es von intoleranten Bemerkungen und ewigem Besserwissertum – Anrufer werden beleidigt und in den unpassendsten Momenten ins Lächerliche gezogen. Überspitztes Beispiel gefällig: „Och ne, schon wieder hat jemand Krebs. Soll er doch verrecken, während ich mir selbst ein paar Crepes hole.“ Bedauerlicherweise hat sich aus diesem kranken Scheiß unlängst ein regelrechter Trend entwickelt. Ebenfalls verachte ich jene Leute, die bei jedem zweiten Gespräch „Fake!“ schreien müssen – weil besagte Sorte überhaupt keine Ahnung vom Leben hat und deshalb jegliche Eigenarten der Menschen verleugnet. Bei Peter, Ingrid und den Schnittchen kann man da geteilter Meinung sein – doch  ob Fake oder nicht, grandios ist es zweifellos.

Zeichnet die netzweite Bosheit und Dummheit also letztlich für das Ende von Domian verantwortlich? Vermutlich nicht. Aber ich schätze, dass jene besondere Qualität, die Domian in den 90ern und im Jahrzehnt der Nullen ausgezeichnet hat, an einer Internet-Überdosierung gelitten hat. Denn als das Internet von Tag zu Tag schwärzer wurde, veränderte sich zudem das Format: Themensendungen wurden langweiliger, die Anrufer uninteressanter und anstelle von zehn Telefonaten pro Stunde, schafft man heute noch maximal die Hälfte. Kurz, bündig und spannend war einst die Devise, der ich heute stark nachtrauere. Außerdem ist es toll, wenn Domian „Pimmel“ sagt. Aber das nur am Rande!

In diesem Sinne wünsche ich dem großartigsten Jürgen aller Zeiten eine entspannte wie aufregende Domian-Restzeit!

* Dieser Beitrag ist übrigens Satire. Deshalb wurden die Titel der Themensendungen sowie das Domian-Zitat frei erfunden.

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