Erzwungene Sprachkonstrukte 2015: Der Smombie

Als bekennender Smegetarier (Smartphone-Nichtbesitzer!) faszinieren mich gewisse Entwicklungen ja durchaus. Deshalb möchte ich mich heute einem aktuellen Thema widmen.

Der Smombie wurde zum Jugendwort des Jahres 2015 ernannt!!! Beim Smombie handelt es sich übrigens nicht um einen Cocktail aus der Nerdkneipe von nebenan, sondern vielmehr um ein Abfallprodukt der deutschen Sprache, welches irgendwann vom Langenscheidt-Verlag erdacht wurde, damit dieser es fortan so darstellen kann, als würden es reale Jugendliche zwischen 15 und 21 Jahren tatsächlich verwenden – in ihrer geheimen Sprachzüchtungsanlage, in welcher zudem Begriffe wie das grammatikalisch absurde „läuft bei dir“ ihren Ursprung fanden. Smombie bezeichnet jedenfalls den allseits auffindbaren Smartphone-Zombie – also eine Gestalt, die ihren starren Blick stets auf ein Smartphone gerichtet hält.

Natürlich standen noch weitere unnütze Vokabeln zur Option: So etwa der Alpha-Kevin, der allerdings kurzfristig verhindert war, da er die minder populäre Beta-Jaqueline zu ehelichen gedachte. Auch „Merkeln“ stand zur Debatte, doch die Anwälte der Bundeskanzlerin waren den Sprachakrobaten aus dem Hause Langenscheidt leider überlegen.

Besagte Mülldeponie der deutschen Jugendsprache hat außerdem das bekannte YOLO adoptiert. Und YOLO zählt definitiv zu diesen Wörtern… gut, lassen Sie es mich milde formulieren: YOLO ist eines dieser Wörter, die nicht ganz zu Unrecht Aggressionen hervorrufen. Ehrlich gesagt schlage ich gerade selbst auf mich ein, weil ich diese unter Drogeneinfluss entworfene Hipster-Lebensweisheit nun schon zum dritten Mal in diesem Artikel erwähnt habe. Wenn ich hiermit fertig bin, muss ich wohl einige Schmerztabletten konsumieren.

Nun… Smombie! Wie man darauf gekommen ist? Keine Ahnung. Immerhin spiegelt dieses Unwort die jugendliche Realität ziemlich exakt wider. Man muss nur mit einem Dutzend Schülern zusammen in einem Bus fahren, um dies zu erkennen. Meine journalistische Wissbegier jedoch hat mich zum Einbru…. äh, Besuch im Wortschatz-Archiv des Langenscheidt-Verlags animiert. Somit konnte ich einen Blick auf eine ellenlange Liste von Begrifflichkeiten werfen, die dem „Smombie“ durchaus ähnlich sind. Nachfolgend möchte ich euch eine kleine Auswahl davon präsentieren:

Smampe: Smartphone-Schlampe. Sie lädt aufreizende Profilbilder auf Facebook hoch und erledigt dies logischerweise von ihrem Smartphone. Somit ist sie jederzeit und überall zu neuem Schlampentum bereit.

Smoser: Smartphone-Loser. Er besitzt ein Smartphone, ansonsten aber rein gar nichts.

Smoll: Smartphone-Troll. Er benutzt sein Smartphone, um Plattformen wie Youtube oder Twitter anzusurfen und dort mit provokativen oder beleidigenden Bemerkungen Unruhe zu stiften.

Smulmädchen: Smartphone-Schulmädchen. Über „What’s App“ kommuniziert es meist mit anderen Smulmädchen. Dabei werden Herzchen im Übermaß verwendet.

Smurist: Smartphone-Jurist. Er versucht Leuten gerne mit rechtlichen Fragen zu helfen, indem er schnell über Wikipedia die Rechtslage herausfindet.

Smimulant: Smartphone-Simulant. Er geht niemals zum Arzt, nimmt aber ständig Beschwerden wahr, nach denen er googelt, um schließlich herauszufinden, dass er an einer bestimmten Krankheit leidet – oder sogar an mehreren zugleich.

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